Schlafmangel beeinträchtigt wie Alkohol

Schlafmangel wirkt sich auf die Funktion des Gehirns negativ aus, so Forscher. In vielen Bereichen ist das Gehirn so eingeschränkt wie nach einem Gläschen Alkohol zu viel. Im Alltag können gefährliche Situationen entstehen.



Forscher untersuchen Schlafmangel an Epilepsiepatienten

Guter Schlaf oder Schlafmangel haben vielfältige Auswirkungen auf körperliche und geistige Funktionen. Studien untersuchten die Auswirkungen des Schlafmangels auf das visuelle Lernen, die Verfestigung von Erinnerungen, aber auch des Nichtlernens von Unnötigem. Wissenschaftler der University of Los Angeles und der Tel Aviv Universität fanden jetzt heraus, dass Schlafmangel zu eklatanten Gedächtnisstörungen und visuellen Fehlwahrnehmungen führen kann, weil die Kommunikation zwischen Nervenzellen im Gehirn vorübergehend gestört ist.

"Hält man den Körper vom Schlaf ab, beraubt dies die Nervenzellen ihrer Funktion und Leistungsfähigkeit", so die Wissenschaftler. Dies bereite den Weg für kognitive Fehlleistungen, fehlerhaften Wahrnehmungen und Reaktionen auf die Außenwelt.

Die Befunde der Forscher beruhen auf einer Untersuchung von Epilepsiepatienten. Diese trugen implantierte Elektroden im Gehirn, um Anfälle zu registrieren und festzustellen, wo die Anfälle entstehen. Die genaue Identifikation des Entstehungsorts epileptischer Anfälle ermöglicht eine operative Behandlung.


Müdigkeit macht Hirnzellen träge

In einem Teil der Untersuchung wurden Anfälle durch Schlafentzug provoziert. Die Patienten blieben nachts so lange wach, bis sich ein Anfall ereignete, sodass die elektrische Aktivität des Gehirns aufgezeichnet werden konnte. In einem Experiment sollten die Studienteilnehmer so schnell wie möglich verschiedene Bilder unterschiedlichen Kategorien zuordnen. Währenddessen wurde die elektrische Aktivität im Temporallappen des Gehirns aufgezeichnet.

Je schläfriger und müder ein Patient war, desto schwerer fiel die gestellte Aufgabe und desto mehr Zeit wurde für sie benötigt. Die Forscher waren überrascht, wie stark Müdigkeit die Hirnaktivität dämpfte. Bei Müdigkeit waren Hirnzellen träge und die Kommunikation zwischen den Nervenzellen gestört. Die langsameren Reaktionen von Nervenzellen waren mit langsameren Hirnwellen verbunden.

Müdigkeit könnte zum Beispiel im Straßenverkehr gefährlich werden, so die Wissenschaftler. Nicht ausreichend langer und guter Schlaf sei mit einem Zuviel an Alkohol zu vergleichen. Die Studie erschien in "Nature Medicine".

Quelle: Dr. Julia Hofmann15.11.17Zum AnfangZurück

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