Erwachsene: Kann ADHS entstehen?

Die Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kommt im Kindesalter häufig vor. Entsteht die im Volksmund als "Zappelphilipp-Syndrom" bekannte Störung auch im Erwachsenenalter? Experten halten den Beginn der Krankheit in späteren Lebensjahren für unwahrscheinlich. Meist stecken andere Störungen hinter den Symptomen.


Späte ADHS-Diagnose macht andere Störung wahrscheinlich

Impulsives Verhalten, Hyperaktivität und Konzentrationsprobleme sind Symptome des ADHS. Zappeln, leicht abgelenkt sein, Vergesslichkeit und schlechte organisatorische Fähigkeiten sind weitere Auffälligkeiten. ADHS beginnt meist in der Kindheit und unter den vier- bis siebzehnjährigen Kindern und Jugendlichen in den USA haben elf Prozent die Diagnose der Störung erhalten.

Zwei Drittel der betroffenen Kinder leiden unter der Erkrankung auch noch, wenn sie bereits erwachsen sind. Neudiagnosen im Erwachsenenalter sind aber eher selten. Etwa fünf Prozent der Erwachsenen in den USA haben ADHS.

Eine aktuelle Studie ergab nun, dass einer späten Diagnose von ADHS im Erwachsenenalter meist eine andere Störung zugrundeliegt. Dies wirft die Frage auf, ob ADHS überhaupt in späteren Lebensjahren beginnen kann.

In der im "American Journal of Psychiatry" veröffentlichten Studie waren 239 Personen langfristig beobachtet worden. Keiner der Studienteilnehmer hatte als Kind eine ADHS-Diagnose erhalten. Im Alter von zehn bis 22 Jahren wurden alle Teilnehmer alle zwei Jahre bezüglich des Auftretens von ADHS-Symptomen untersucht. Auch Drogenmissbrauch, kognitive Störungen und mentale Erkrankungen wurden erfasst. Dabei zählten nicht nur Selbstberichte, sondern auch die Angaben von Eltern und Lehrern.


Drogen, Traumata, Depressionen können ADHS-Symptome auslösen

Bei mehr als 80 Prozent der Studienteilnehmer, die erst später ADHS-Symptome entwickelten, ließen sich die Beschwerden durch andere Faktoren erklären. Bei genauerem Hinsehen ließen sich die Symptome manchmal bis in die Kindheit zurückverfolgen, in anderen Fällen bestand Drogenmissbrauch. Auch psychologische Traumata  oder Depressionen spielten eine Rolle.

Es fanden sich keine hinreichenden Beweise für einen möglichen Beginn von ADHS im Erwachsenenalter, wenn es in der Geschichte keine psychiatrischen Auffälligkeiten oder Erkrankungen gab. Die Forscher raten zur Vorsicht bei Diagnosen von ADHS bei Erwachsenen. Falsch positive Diagnosen wären häufig.

Quelle: Dr. Julia Hofmann31.10.17Zum AnfangZurück

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: