Ärzte: Soviel Zeit bleibt für den Patienten

Zu viel Bürokratie, zu wenig Zeit für Patienten – darüber klagen oftmals nicht nur Patienten, sondern vor allem auch die Krankenhausärzte selbst. Wie sich die Arbeitszeit tatsächlich verteilt, untersuchten Forscher im Universitätsklinikum Freiburg. Demnach ist die Zeit für Patienten tatsächlich meist knapp bemessen, heißt es im "Deutschen Ärzteblatt".


Wenig direkter Patientenkontakt auf Station 

Jan Wolff und Mitarbeiter untersuchten, wieviel Zeit Klinikärzte sieben unterschiedlicher Fachabteilungen mit den verschiedenen zu verrichtenden Tätigkeiten verbringen. Bei 250 Ärzten wurden wiederholt zu verschiedenen Einzelzeitpunkten die gerade ausgeübten Tätigkeiten erfasst. Der Analyse standen schließlich über 41.430 Momentaufnahmen einer untersuchten Gesamtarbeitszeit von 20.715 Stunden zu Verfügung.

Demnach verbrachten Ärzte 46 Prozent ihrer stationären Arbeitszeit im direkten Patientenkontakt. Mehr als die Hälfte der Arbeitszeit wurde für die indirekte Versorgung der Station benötigt. Dies sind zum Beispiel die Patientendokumentation, das Schreiben von Arztbriefen, allgemeine Dienstbesprechungen, Teamrunden oder andere organisatorische Tätigkeiten zum Aufrechterhalten des klinischen Betriebs.


Ambulante Versorgung von Patienten kostet Zeit

Doch verteilt sich die Arbeitszeit der Ärzte im Krankenhaus den Ergebnissen zufolge nicht immer gleich und ist von dem Fachbereich abhängig. So entfallen in Fachbereichen wie Augenheilkunde oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie um die 44 Prozent der Arbeitszeit auf die Versorgung ambulanter Patienten. Die ambulante Versorgung nimmt in anderen Fachbereichen wie Frauenheilkunde oder Dermatologie weniger Zeit in Anspruch. Insgesamt wird etwa ein Drittel der Arbeitszeit für die ambulante Versorgung benötigt.

Den Untersuchungsergebnissen zufolge steht Krankenhausärzten tatsächlich relativ wenig Zeit für den direkten Patientenkontakt auf der Station zu Verfügung. Die Studienautoren fordern, Ärzte entsprechend ihrer Qualifkation einzusetzen und fachfremde Tätigkeiten von anderem Personal ausführen zu lassen, damit Arzt und Patient mehr Zeit zu Verfügung steht. Das könnten zum Beispiel Dokumentationskräfte, Medizincontroller oder Sozialarbeiter sein.

Quelle: Dr. Julia Hofmann31.10.17Zum AnfangZurück

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