Zu leicht bei der Geburt - später psychisch krank?

Babys mit einem sehr geringen Geburtsgewicht tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für eine spätere Depression, die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) oder andere psychiatrische Erkrankungen, so das Ergebnis einer Studie im Journal "Pediatrics". Die vorgeburtliche Behandlung mit Kortison für die Lungenreife verschärft das Problem.

 

 

Niedriges Geburtsgewicht und Gesundheitsprobleme

 

Laut den Centers for Disease and Prevention (CDC) wurden in den USA 2013 acht Prozent aller Babys mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht geboren, das heißt, sie wogen weniger als 2.500 Gramm. 1,4 Prozent wiesen mit weniger als 1.500 Gramm ein sehr geringes Geburtsgewicht auf. Ursache ist meist eine Frühgeburt, manchmal liegt eine Wachstumsstörung oder eine Infektion in der Schwangerschaft zugrunde. In Deutschland sind es etwa sechs Prozent der Säuglinge, die ein zu geringes Gewicht oder eine zu geringe Größe aufweisen.

 

Frühere Studien zeigten bereits, dass ein geringes Geburtsgewicht mit verschiedenen Gesundheitsproblemen verbunden ist wie Übergewicht, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Herzerkrankungen.

 

 

Seltener Suchterkrankungen, häufiger andere psychiatrische Störungen

 

Der Psychiater und Neurowissenschaftler Ryan Van Lieshout und Mitarbeiter der McMaster University in Kanada untersuchten 84 Erwachsene mit extrem niedrigem Geburtsgewicht und 90 Erwachsene, die mit normalem Gewicht geboren worden waren.

 

Geburtsleichtgewichte wiesen als Erwachsene in den Dreißigern dreimal weniger wahrscheinlich eine Suchtproblematik oder Alkoholmissbrauch auf. Die Wahrscheinlichkeit für andere psychiatrische Erkrankungen war aber 2,5-fach erhöht. Depressionen, ADHS und Angsterkrankungen waren darunter.

 

War aufgrund des geringen Kindsgewichts noch vor der Geburt Kortison verabreicht worden, was die Reifung der Lunge anregt, erhöhte das die Wahrscheinlichkeit einer späteren psychiatrischen Störung im Erwachsenenalter sogar 4,5-fach.

Quelle: Dr. Julia Hofmann19.02.15Zum AnfangZurück

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