Wahl eines Physiotherapeuten: Auf Zusatzqualifikationen achten

Wiesbaden (dpa/tmn) - Es gehört schon jede Menge Vertrauen dazu, sich von einem fremden Menschen an der Wirbelsäule herumdrücken zu lassen. Wer sich in die Hände eines Physiotherapeuten begibt, sollte sich deshalb genau über die Kenntnisse und Fähigkeiten seines Behandlers informieren. Die für diesen Beruf vorgeschriebene dreijährige Ausbildungszeit reicht inzwischen schon längst nicht mehr aus, um Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern entsprechend behandeln zu können. Regelmäßige Weiterbildungen sind für diese Berufsgruppe deshalb Pflicht.

Um einen guten Physiotherapeuten zu finden, können Patienten verschiedene Möglichkeiten nutzen, sagt Birgit Kienle vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) in Wiesbaden. Mit der persönlichen Empfehlung, den Online-Suchmaschinen und Zeitungsanzeigen zählt sie die gängigsten Methoden auf. «Allerdings weiß der Patient dann noch nicht, ob er einen Therapeuten gefunden hat, der seine Beschwerden optimal behandeln kann.» Darum sollten Patienten genau wissen, an welcher behandlungsbedürftigen Krankheit sie leiden und welche therapeutischen Maßnahmen vom Arzt verordnet wurden.

Zwar seien Physiotherapeuten in fast allen Bereichen der Medizin ausgebildet, allerdings erfordern Behandlungen wie die sogenannte manuelle Therapie, gerätegestützte Krankengymnastik und manuelle Lymphdrainage spezielle Weiterbildungen, erläutert Kienle. Hinzu komme, dass sich viele Physiotherapeuten schwerpunktmäßig weiterbilden - etwa in Richtung Orthopädie, Sportphysiotherapie oder Atemtherapie. Optimale Behandlungsergebnisse können vor allem dann erreicht werden, wenn die Beschwerden des Patienten und die Kenntnisse des Physiotherapeuten genau zusammenpassen.

Ute Repschläger vom Bundesverband selbständiger Physiotherapeuten (IFK) in Bochum rät, auf speziellen Internetseiten nach Therapeuten zu suchen. So können Patienten auf den Homepages von IFK und ZVK gezielt nach Praxen und deren Schwerpunkten suchen. «Auch die Mund-zu-Mund-Propaganda ist nicht zu unterschätzen. Darum sollte man sich im Bekannten- und Kollegenkreis umhören. Oft erhält man dort nützliche Hinweise oder Empfehlungen», sagt Repschläger.

Wer sich für einen Physiotherapeuten entschieden hat, sollte bei der ersten Kontaktaufnahme sehr aufmerksam sein: «Bereits bei der ersten Begegnung kann der Patient Hinweise darauf erhalten, ob er in guten Händen ist», erläutert Repschläger. Findet er einen kompetenten Ansprechpartner vor, der ihn freundlich und respektvoll behandelt? Wird der erste Behandlungstermin in einem angemessenen Zeitraum vergeben? Kann eine Bezugsperson bei der Behandlung dabei sein?«Lassen sich diese Fragen mit Ja beantworten, ist der Patient auf einem guten Weg.»

Damit es später nicht zu Missverständnissen kommt, rät Kienle, beim ersten Kontakt ein paar wichtige Informationen abzufragen. Wie lange dauert die Behandlung? Was ist mitzubringen - vom Rezept, über ärztliche Befunde bis hin zu sportlicher Bekleidung? Welche Zusatzkosten kommen auf mich als Patient zu? Außerdem könne es vorteilhaft sein, zu wissen, wie es um die Parkmöglichkeiten vor der Praxis bestellt ist.

Vor allem sollte sich ein Physiotherapeut für das Krankheitsbild seines Patienten interessieren und Kontakt zu dem Arzt haben, der die Überweisung ausgestellt hat. Denn nur, wenn sich beide Seiten über die Art der Therapie abstimmen, könne eine kompetente Versorgung sichergestellt werden, sagt Tabea Jost vom Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin. «Ein guter Physiotherapeut berücksichtigt außerdem zu jeder Zeit die Bedürfnisse seines Patienten, nimmt sich Zeit für dessen Fragen und erklärt klar verständlich, was er tun wird», ergänzt Repschläger.

Info-Kasten: Wann den Therapeuten wechseln?

Nicht jeder Patient fühlt sich während einer Behandlung wohl. Das kann zum Beispiel an der fehlenden Feinfühligkeit des Physiotherapeuten liegen. «Wenn der Patient zum Beispiel zu kräftig massiert wird, verspannt er noch mehr», sagt Birgit Kienle vom Deutschen Verband für Physiotherapie. Manchmal komme es auch vor, dass die Chemie zwischen beiden Seiten nicht stimmt. In beiden Fällen sollte so schnell wie möglich der Behandler gewechselt werden, rät

sie. «In vielen Praxen arbeiten mehrere Kollegen. Daher sollte ein Wechsel kein Problem sein.» Je besser sich beide Seiten verstehen, desto erfolgreicher könne eine Therapie anschlagen.

Quelle: on Manja Greß, dpa27.07.11Zum AnfangZurück

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: