Triggert Toxoplasmose neurologische Krankheiten?

Eine Toxoplasmose gilt gemeinhin als harmlos. Jetzt allerdings besteht der Verdacht, dass die Keime an chronischen Erkrankungen des Nervensystems beteiligt sein könnten, wenn Personen dafür empfänglich sind.


Infektion kann Abbau eines Nervenbotenstoffs hemmen

Infektionen mit dem Parasiten Toxplaplasma gondii sind Ursache der Toxoplasmose. Ursachen der Infektion können das Essen nicht durchgegarten oder durchgebratenen Fleisches sein, kontaminiertes Trinkwasser und ein enger Kontakt mit Katzen bzw. deren Ausscheidungen. Infektionen sind in der Allgemeinbevölkerung verbreitet und die meisten entwickeln keine Krankheitssymptome und bemerken die Infektion gar nicht. Wer Krankheitszeichen entwickelt, leidet meist unter grippeähnlichen Beschwerden wie Muskelschmerzen und geschwollenen Lymphknoten. Diese halten kaum mehr als einen Monat an.

In schweren Fällen, vor allem bei Menschen mit schwachem Immunsystem, kann die Toxoplasmose Augen, Gehirn und andere Organe schädigen. Eine aktuelle Studie zeigt nun möglicherweise, dass eine Infektion noch andere schwere Konsequenzen haben kann. Denn eine Infektion kann zur Ansammlung eines Nervenbotenstoffs im Gehirn führen. Dabei handelt es sich um Glutamat.

Die Aminosäure Glutamat wird von Nervenzellen abgegeben. Sie ist für die Kommunikation zwischen Nervenzellen bedeutsam. Zuviel Glutamat ließ sich jedoch in Patienten mit Hirnverletzungen und neurodegenerativen Erkrankungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) und der Multiplen Sklerose (MS) nachweisen. Eine Anhäufung von Glutamat führt schließlich zum Untergang von Nervenzellen.


Antibiotikum erwies sich als wirksam

In Versuchen an Mäusen zeigte sich, dass eine Infektion mit dem Parasiten zu einer Anhäufung des Glutamats im zentralen Nervensystem führte. Demnach könne eine chronische Infektion nicht als grundsätzlich gutartig betrachtet werden, so die Forscher. Bei manchen Menschen bestehe das Risiko einer Veränderung des Hirnstoffwechsels, was zu neurodegenerativen Erkrankungen führen könnte.

Im Mäuseversuch zeigen die Wissenschaftler aber auch, dass ein Antibiotikum infizierte Mäuse wirksam vor einer Anreicherung der Aminosäure im zentralen Nervensystem schützen konnte. Die Studie erschien im Journal "PLOS Pathogens". 

Quelle: Dr. Julia Hofmann23.06.16Zum AnfangZurück

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