Stress in Schwangerschaft erhöht Autismusrisiko

Werdende Mütter, deren Schwangerschaft mit Stress verbunden ist, könnten wahrscheinlicher ein Kind bekommen, das unter Autismus leidet. Eine Genvariante könnte verantwortlich sein, lassen die Ergebnisse einer aktuellen Studie vermuten. 


Forscher untersuchten Gene und Stress in der Schwangerschaft

Unter Autismus bzw. unter die Autismus-Spektrum-Störung fallen mehrere Krankheitsbilder. Bei diesen Erkrankungen spielen soziale und kommunikative Probleme eine große Rolle, die sich bereits früh in der Entwicklung zeigen können. Betroffene fallen meist durch Verhaltensprobleme auf. Denken, Lernen und das Lösen von Problemen gelingt individuell sehr unterschiedlich. Manche Autismuspatienten werden als hochbegabt eingeschätzt, bei anderen werden diese Fähigkeiten dagegen in Frage gestellt. Autismus kommt bei Jungen häufiger vor als bei Mädchen.

Bislang nahm man an, dass für die Erkrankung Erbfaktoren verantwortlich zu machen sind. Umweltfaktoren einschließlich Stress rücken aber immer mehr in den Fokus des Interesses. In einer Studie untersuchten nun Forscher der University of Missouri Familien mit Kindern, die unter Autismus litten, und erhoben Daten zum Stress der Mütter in der Schwangerschaft, darunter Jobverlust, Gewalterfahrungen oder Umzüge. Außerdem untersuchten sie das Blut der werdenden Mütter auf Genvarianten des stresssensitiven Gens namens 5-HTTLPR.


Stress könnte Risikofaktor für Autismus bei bestimmter Genvariante sein

Dieses Gen reguliert die Menge des Nervenbotenstoffs Serotonin im Nervensystem. Liegt aber eine Variante des Gens vor, kommt es zu einem Anstieg von Stressreaktionen des Körpers. 

Die Forscher fanden heraus, dass die Genvariante tragende Mütter tatsächlich mehr Stress in den Schwangerschaften erlebt hatten als Mütter, die nicht Trägerinnen des abweichendes Gens waren. Die Studie eignet sich allerdings nicht dafür, den Zusammenhang zwischen Genvariante, Stress in der Schwangerschaft und Autismusrisiko zu belegen, so die Wissenschaftler. Hier sollten weitere Untersuchungen folgen. Möglicherweise gelingt es eines Tages, Mütter mit der Genvariante frühzeitig zu identifizieren und das Risiko für Autismus bei deren Nachwuchs besser abzuschätzen.

Die Studie erschien in "Autism Research".

Quelle: Dr. Julia Hofmann20.06.16Zum AnfangZurück

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