Sind Kinder religiöser Eltern großzügiger?

Wachsen Kinder in religiösen Familien auf, vermutet man, dass sie großzügiger sind, eher mit anderen teilen und andere verschiedene christliche Verhaltensweisen an den Tag legen. Stimmt das? Eine neue Forschungsarbeit räumt mit Vorurteilen auf.

 

 

Studie: Nicht religiöse Kinder am großzügigsten

 

In einer im Journal "Current Biology" publizierten Studie mit 1.110 Kindern verglichen Forscher das Verhalten religiös und nicht religiös erzogener Kinder hinsichtlich ihrer Großzügigkeit beim Thema Teilen. Untersucht wurden 1.170 Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren aus den USA, Kanada, Jordanien, Türkei, Südafrika und China. 43 der Kinder waren Muslime, 23,9 Prozent Christen, 2,5 Prozent Juden, 1,6 Prozent Buddhisten, 0,4 Prozent Hindu. Keiner Religion gehörten 27,6 Prozent der Kinder an.

 

Aller Kinder nahmen an einer Aufgabe teil, bei der sie sagen sollten, wie viele Sticker sie gerne mit fremden Kindern, die auf die gleiche Schule gehen und einer ähnlichen ethnischen Gruppe angehören wie sie selbst, teilen würden.

 

Kinder aus nichtreligiösen Familien waren am großzügigsten, während Kinder aus religiösen Familien weniger freigiebig waren, so ein Ergebnis der Untersuchung. Die Großzügigkeit von Kindern ohne Religionszugehörigkeit nahm außerdem mit dem Alter zu.

 

 

Ist Religion ein Freibrief für unmoralisches Verhalten?

 

Vorherige Befragungen religiöser Eltern ergaben, dass diese Empathie und Sensibilität ihrer Kinder höher einschätzten als die von nichtreligiösen Kindern. Kinder religiöser Familien hielten zwischenmenschliche Verletzungen für bedeutungsvoll und waren der Meinung, diese erforderten härtere Bestrafungen. Diese Einstellung fand sich bei Kindern ohne Religion weniger.

 

Auch bei alleiniger Betrachtung der drei größten Gruppen aller Studienteilnehmer, nämlich Muslime, Christen und Kinder ohne Religion, veränderten sich die Ergebnisse nicht. Die Wissenschaftler erklären die Ergebnisse damit, dass Kinder mit religiösem Glauben eine Art "moralische Lizenz" besitzen. Dahinter stecke die Idee, durch das Praktizieren der Religion etwas Gutes zu tun. Religiöse Kinder wären dann möglicherweise um die Konsequenzen unmoralischen Verhaltens weniger besorgt.

 

Die Forscher stellen in Frage, ob Religion für die moralische Entwicklung so beutend ist wie viele Menschen dies denken. Es gehe also auch hier darum, theoretische Glaubensgrundsätze in den praktischen Alltag zu bringen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann13.11.15Zum AnfangZurück

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