Schwitzend zur Erleuchtung: Hot Yoga eignet sich auch für Einsteiger

Es ist Yoga in seiner heißesten Form: Hot Yoga wird bei Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius ausgeführt. Das Schwitzen zahlt sich aber aus. Denn die Hitze macht nicht nur beweglicher, sie beugt auch Verletzungen vor. Einsteiger kommen deshalb gut zurecht.

Die Luft im Raum ist heiß und trocken. Die Heizkörper bollern, aus ein paar gasbetriebenen Heizlüftern wabert heißer Wind und verteilt sich im Raum mit dem gedimmten Licht. Auf dem Boden liegen in Zweierreihen blaue Yogamatten. Schließt man die Augen, könnte man meinen, direkt in der Wüste gelandet zu sein.

In Wirklichkeit gehört der Übungsraum zur Yogaschule Sun Yoga in Berlin, dem nach eigenen Angaben größten Anbieter in der Hauptstadt. Die Hitze steckt bei Hot Yoga schon im Namen - und ist der wichtigste Bestandteil dieser Yogaform. Auch wenn Anfängern kurz der Atem stockt, wenn sie das erste Mal den Raum betreten: Hot Yoga ist auch etwas für Einsteiger. Durch die Wärme ist das Training sogar schonender für Gelenke und Muskeln als viele andere Sportarten.

Grundsätzlich ist Hot Yoga für jeden geeignet. Aufpassen sollte aber, wer hohen Blutdruck oder eine akute Entzündung hat. Letztere könne sich bei Temperaturen zwischen 38 und 40 Grad im Yogaraum noch verschlimmern, warnt Uschi Moriabadi von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. «Aber auch niedriger Blutdruck kann bei der Hitze leicht absacken. Deshalb sollte man sich selbst während des Trainings beobachten.»

Die schweißtreibende Umgebung hat allerdings auch viele Vorteile, denn das Verletzungsrisiko reduziert sich deutlich. «Das Binde- und Muskelgewebe wird weicher und elastischer, und die Bewegungsmöglichkeiten sind viel größer als im kalten Raum», sagt die Diplom-Sportlehrerin. Gerade steifere Naturen machen beim Hot Yoga schnell Fortschritte und sind überrascht, wie leicht sie beispielsweise ihre Beine durchdrücken können.

Während andere Sportarten wie Laufen oder Schwimmen nur einen Teil des Körpers trainieren, «sind es im Yogakurs hundert Prozent Ihres Körpers, von den Knochen bis zur Haut, vom Kopf bis zu den Zehen, bis zu jeder Drüse und zu jedem Körperorgan», schreibt Bikram Choudhury in seinem Buch «Bikram Yoga», das als Standardwerk gilt. Der indische Yogameister entwickelte die Übungsreihe, die aus 26 Haltungen (Asanas) sowie zwei Atemübungen (Pranayama) besteht. Wichtiger als die perfekte Ausführung ist laut Bikram der Versuch, den Körper in die gewünschte Position zu bringen. «Selbst wenn Sie die Haltung nur teilweise schaffen, werden Sie davon medizinisch zu hundert Prozent profitieren», schreibt er.Jede Hot-Yoga-Stunde ist nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. Begonnen wird im Stehen mit einer Atemübung. Sie soll die Lunge auf ihr volles Volumen ausdehnen. «Sucht euch einen festen Punkt im Spiegel, achtet nur auf euch», sagt Yogalehrer Clemens im Übungsraum von Sun Yoga. Zehnmal wird in einem bestimmten Rhythmus ein- und ausgeatmet. Spätestens jetzt geht die Gesichtsfarbe in ein leichtes Rot über, an den Unterarmen perlen die ersten Schweißtropfen hinab. Ein guter Start für die kommenden 90 Minuten.

Zu dem Berliner Anbieter kommen pro Woche etwa 1000 Schüler, die ihre verspannten Rücken, Nacken oder Schultern dehnen wollen. Zur körperlichen Komponente kommt natürlich auch die psychische hinzu: Wie alle Yogaformen soll Hot Yoga das Gedankenkarussell zum Stillstand bringen und dabei helfen, zu entspannen. «Die Übungsreihe ist einfach sehr effektiv, man zieht aus 90 Minuten den größtmöglichen Nutzen. Das ist gerade Leuten in der Stadt wichtig, die nicht so viel Zeit haben», glaubt Inhaber Christoph Mamat.

Bei der klassischen Übungsabfolge nach Bikram wird jede Haltung mit einer kurzen Pause zweimal hintereinander eingenommen, um die Dehnung zu verstärken. Bei wenigen Schweißperlen bleibt es dabei nicht. Nach den ersten Positionen, etwa der Halbmondhaltung, bei der man sich im Stehen mit ausgestreckten Armen abwechselnd zur rechten und linken Seite dehnt, sind Oberteil und Hose schweißdurchtränkt. Das Schwitzen hat aber einen positiven Effekt: «Dadurch wird der Stoffwechsel angeregt und Abfallprodukte werden abtransportiert», sagt Uschi Moriabadi. Bis zu zwei Liter Flüssigkeit verliert man bei einer Hot-Yoga-Stunde. Eine große Wasserflasche mitzubringen, ist deshalb Pflicht. Schon vor dem Training sollten am besten anderthalb Liter getrunken werden.

Positive Veränderungen merkten Anfänger schon nach zwei Stunden, sagt Moriabadi. Wichtig dabei sei, kontinuierlich zu üben. «Von einmal Yoga alle drei Wochen kann man nichts erwarten.» Anfängern empfiehlt sie, zunächst eine Probestunde zu vereinbaren. So könne man sehen, ob einem Trainer und Studioatmosphäre liegen. Die Räume bei Sun Yoga sind speziell für die heiße Trainingsabfolge ausgelegt. Eine Lüftungsanlage sorge für einen optimalen Wärme- und Sauerstoffaustausch, erklärt Inhaber Mamat. Während der Stunde kontrollieren die Lehrer regelmäßig die Temperatur. Kühler als 40 Grad sollte es nicht werden, um einen optimalen Effekt zu erzielen.

Wer regelmäßig Yoga macht, kann besser einschlafen. «Die Atmung wird langsamer und tiefer und man kommt schneller runter», sagt Moriabadi, die selbst Yoga unterrichtet.

Trotz der Anstrengung kommt die Entspannung bei Hot Yoga nicht zu kurz. Nach der ersten Kurshälfte folgt die Position Shavasana, die Totenhaltung. Die ruhige Rückenlage soll alle Spannung aus dem Körper entweichen lassen und den Blutfluss normalisieren. In der Totenhaltung wird auch die komplette Hot-Yoga-Stunde abgeschlossen. Außer ein paar tiefen Atemzügen erfüllt den Raum dann nur noch das Knacken der Plastikflaschen. Sie haben unter der Hitze gelitten.

Info-Kasten: Die richtige Kleidung

Für Hot Yoga ist bequeme Kleidung am besten, die nicht behindert. Da man stark schwitzt, ist wenig Stoff von Vorteil. «Praktisch ist Funktionskleidung, die man auch beim Joggen anzieht», sagt Uschi Moriabadi von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Ungeeignet ist dagegen Baumwolle, da sie den Schweiß aufsaugt und nicht abgibt.

Quelle: Von Julia Kirchner, dpa04.03.12Zum AnfangZurück

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