Schwangerschaft: Mutter überträgt Übergewicht

Werdende Mütter mit Übergewicht oder Fettleibigkeit könnten das Risiko für Gewichtsprobleme an ihren Nachwuchs weitergeben. Darauf wiesen Zellen der Nabelschnur hin und auch das Blut des Ungeborenen zeigt Auffälligkeiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im "International Journal of Obesity".


Fettleibigkeit: Genveränderungen in Zellen der Nabelschnur

Die Wissenschaft sucht schon lange Erklärungen dafür, dass Übergewicht scheinbar in der Familie bleibt und Kinder von Eltern, die zu viele Kilos auf die Waage bringen, wahrscheinlicher selbst einmal mit Gewichtsproblemen konfrontiert sind. Mögliche Erklärungen sind Lebensstil und Ernährung in der Familie, doch bereits im Mutterleib und in den frühesten Phasen der Entwicklung könnten die Weichen gestellt werden, ob jemand eher normalgewichtig ist oder Übergewicht entwickelt.

Forscher untersuchten jetzt Zellen aus der Nabelschnur von 30 brasilianischen Müttern, die gerade ein Kind geboren hatten. 24 der Frauen waren bereits vor ihrer Schwangerschaft übergewichtig oder fettleibig. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass je übergewichtiger die Frau desto weniger wahrscheinlich wurden Gene exprimiert, die für die Regulation des Stoffwechsels wichtig sind. Einige dieser Veränderungen der Gene lassen sich auch bei Erkrankungen wie Fettleibigeit und Typ-2-Diabetes nachweisen.


Ungünstige Fettwerte des Fetus bei mütterlichem Übergewicht

"Vermutlich lassen sich bereits bei der Geburt metabolische Störungen aufgrund des Übergewichts der Mutter nachweisen", so die Studienautoren. Untersuchungen des Blutes aus Nabelschnurvenen, die mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichertes Blut von der Mutter zum Kind transportieren, ergaben zudem ein ungesundes Profil der Blutfette bei Kindern übergewichtiger Mütter. Damit besteht bereits in der frühen Entwicklung ein Überangebot an Energie.

Die Wissenschafter hoffen, ihre Erkenntnisse könnten zukünftig in der Praxis der Schwangerschaftsvorsorge Berücksichtigung finden. Vielleicht stünden eines Tages Tests zu Verfügung, die frühzeitig Biomarker für Fettleibigkeit im Mutterleib erkennen lassen. Daraus ließen sich gezielt Empfehlungen ableiten, etwa, was die werdende Mutter bei Ernährung oder Bewegung beachten sollte, um Erkrankungen ihres Kindes vorzubeugen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann01.09.16Zum AnfangZurück

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