Schönheits-OP oder Psychotherapie?

Nicht jeder, der zum Schönheitschirurgen oder einem anderen Mediziner geht, um einen ästhetischen Eingriff vornehmen zu lassen, ist anschließend zufriedener. Das kann verschiedene Ursachen haben, auch eine psychische Störung.


Körperdysmorphe Störung: Das Gefühl, hässlich oder entstellt zu sein

Wenn es um Schönheitsoperationen und kosmetische Eingriffe geht, bleibt es oftmals nicht bei einem einmaligen Eingriff. Manche Patienten sind scheinbar mit ihrem Erscheinungsbild nie zufrieden und finden immer wieder Körper- oder Gesichtsbereiche, die sie als hässlich empfinden und deshalb verändern möchten.

Dahinter kann möglicherweise eine psychische Störung stecken, die körperdysmorphe Störung. Ästhetische Eingriffe und Operationen lindern den Leidensdruck dieser Patienten nicht. Sie entdecken immer wieder Körperstellen, die sie stören. Unter dem vermeintlich unansehnlichen Makel leiden Betroffene. Sie überprüfen ihr Aussehen permanent, vergleichen sich und versuchen, den Makel zu verstecken. Oder sie meiden jeglichen Blick in den Spiegel und aus Schamgefühen die Öffentlichkeit. Immer wieder suchen sie in der ästhetischen Medizin Hilfe. Die Überzeugung, dass ein körperlicher Defekt vorliegt, ist wahnhaft. Die Krankheit ist mit einem hohen Leidensdruck verbunden.


Störung wird zu selten diagnostiziert

Die körperdysmorphe Störung kommt in der Allgemeinbevölkerung zu etwa zwei Prozent vor, in der Schönheitsmedizin jedoch sind bis zu zehn Prozent der Patienten betroffen, heißt es in einer Studie der Februarausgabe "Plastic and Reconstructive Surgery". Die Krankheit wird selten diagnostiziert und oftmals übersehen. In der niederländischen Studie gaben befragte ästhetische Chirurgen und Mediziner, die ästhetische Eingriffe durchführen, an, die Erkrankung und deren Diagnosekriterien zu kennen.

Den Studienergebnissen zufolge berücksichtigen plastische Chirurgen die Erkrankung häufiger als Mediziner, die andere kosmetische Eingriffe vornehmen. Befragte Ärzte gaben an, Operationen zu verweigern, wenn sie den Verdacht auf die Erkrankung haben, die einer psychotherapeutischen Behandlung bedarf. Tatsächlich aber vermuten die Studienautoren, dass die körperdysmorphe Störung in der plastischen und kosmetischen Medizin noch immer viel zu selten berücksichtigt wird.

Quelle: Dr. Julia Hofmann20.02.17Zum AnfangZurück

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