Schmerzempfinden nach Operationen

Frauen empfinden einer großen Studie zufolge nach einer Operation häufig stärkere Schmerzen als Männer – verlangen aber trotzdem nicht nach mehr Schmerzmitteln. Ab dem 50. Lebensjahr ist dieser Unterschied auffällig. Bei jüngeren Menschen gibt es nach vergleichbaren Operationen hingegen kaum Geschlechterunterschiede im Schmerzempfinden. Das Jenaer Klinikum hat für ein europaweites Schmerzregister Daten von 36 000 Patienten aus neun Ländern gesammelt und ausgewertet. Ziel ist es, die Versorgung von Menschen nach Operationen zu verbessern.

Trotz weltweiter Behandlungsleitlinien gibt es riesige Unterschiede bei der Gabe von Schmerzmitteln. Die Datensammlung erfasst unter anderem Angaben zu Narkose, Schmerzmittelgaben und Nebenerkrankungen stationär operierter Patienten. Diese wurden außerdem befragt. Allein in Deutschland werden jährlich rund 13 Millionen Menschen in Krankenhäusern operiert. Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Patienten berichten anschließend über Schmerzen.

Bei Eingriffen unter Vollnarkose reagierten Frauen auch häufiger als Männer mit Übelkeit. Diese sind eine Nebenwirkung opiathaltiger Schmerzmittel, die bei einem Eingriff unter Vollnarkose in der Regel verabreicht werden. In der Arzneimittelforschung werden diese Geschlechterunterschiede bisher viel zu wenig berücksichtigt. Aufschlussreich sind für den Mediziner von der Studie gelieferte Hinweise, dass auch religiös-spirituelle Aspekte beim Schmerzempfinden eine Rolle spielen. In Rumänien gibt die Hälfte der befragten Patienten an, dass Beten bei der Schmerzbewältigung hilft.

Bei dem seit vier Jahren laufenden und von der Europäischen Union geförderten Projekt handelt es sich den Angaben zufolge um die bislang größte internationale Datenbank zu Schmerzen nach Operationen. Einbezogen wurden Patienten aus Deutschland, Schweden, Italien, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Rumänien, Israel und der Schweiz. Die Ergebnisse wollten die 17 Kooperationspartner beim zweitägigen Symposium «Pain Out» (Donnerstag und Freitag) in Berlin vorstellen.

Quelle: dpa26.12.12Zum AnfangZurück

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