Rollstuhlfahrer leben gefährlich

Rollstuhlfahrer haben ein deutlich erhöhtes Unfallsrisiko im Straßenverkehr, vor allem, wenn sie eine Straße überqueren, zeigt eine aktuelle Untersuchung zum Thema. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist das Unfallrisiko zumindest bei Rollstuhlfahrern in den USA um ganze 30 Prozent erhöht.

 

 

Rollstuhlfahrer sind häufiger in tödliche Unfälle verwickelt

 

Im Straßenverkehr der USA sterben jährlich fast 3.000 Passanten infolge von Unfällen im öffentlichen Straßenverkehr. Zahlen für Rollstuhlfahrer waren bislang nicht bekannt, sodass sich deren Risiko nicht abschätzen ließ. Wissenschaftler schätzten nun anhand verschiedener Datenbanken das Unfallrisiko mit Todesfolge für Rollstuhlfahrer im Zeitraum von 2006 bis 2012 ein.

 

Die Auswertung der Daten offenbarte, dass Rollstuhlfahrer ein 30 Prozent höheres Risiko für einen tödlichen Unfall im Straßenverkehr aufweisen als andere Passanten. Das Todesrisiko aufgrund eines Autounfalles war für männliche Rollstuhlfahrer fünfmal höher als für weibliche. Dies betraf besonders die Altersklasse der 50- bis 64-Jährigen.

 

 

Forscher fordern Veränderungen im Verhalten und Straßenverkehr

 

Kreuzungen scheinen demnach besonders gefährlich für Rollstuhlfahrer zu sein. Hier ereigneten sich 47,5 Prozent der Unfälle mit Todesfolge, wenn Rollstuhlfahrer die Kreuzung auf einem Zebrastreifen überquerten. 18,3 Prozent der Rollstuhlfahrer fielen bei Straßenüberquerungen ohne Zebrastreifen einem Verkehrsunfall zum Opfer. In 21,4 Prozent der Fälle hatten Autofahrer das Vorfahrtsrecht missachtet. In 76,4 Prozent der Fälle ließ sich Unfallvermeidungsmanöver der Autofahrer nachweisen. Polizeiberichte ergaben, dass ein nicht unerheblicher Teil der Rollstuhlfahrer, nämlich 15 Prozent, für Autofahrer nicht hinreichend sichtbar waren.

 

Hier bedarf es laut den Studienautoren der im Journal "BMJ Open" veröffentlichten Studie nicht nur Verhaltensveränderungen, sondern auch bauliche Maßnahmen und Veränderungen im Straßenverkehr. Spezielle Bordsteine, Rampen und Gehsteige könnten für mehr Sicherheit sorgen. 

 

Inwieweit die Zahlen auf Deutschland übertragbar sind, ist unklar. Sicher erscheint jedoch, dass auch hierzulande Rollstuhlfahrer im Straßen-, Bus- und Bahnverkehr erhöhten Unfallrisiken ausgesetzt sind.

Quelle: Dr. Julia Hofmann26.11.15Zum AnfangZurück

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