Plazebo: Mehr als blanker Schein

Dass Medikamente ohne jeglichen Wirkstoff wirken können, ist bekannt. Es ist aber nicht so, dass der Plazeboeffekt nur zustande kommt, weil Behandelte um die Wirkungslosigkeit der Medizin nicht wissen und an die Wirksamkeit glauben. Plazebos können offenbar mehr.


Studie: Patienten mit Rückenschmerzen wissen um Plazebotherapie

Plazebos sind pharmakologisch inaktive Wirkstoffe, deren Wirkung vom Glauben des Anwenders abhängen. Zumindest glaubte man das bisher. Eine aktuelle im Fachjournal "Pain" veröffentlichte Untersuchung zeigt jetzt, dass ein Plazebo auch effektiv sein kann, wenn Patienten um die nichtpharmakologische Wirksamkeit wissen, also wissen, dass sie nur ein Plazebo erhalten.

"Das stellt unser bisheriges Verständnis des Plazeboeffekts auf den Kopf", so Ted Kaptchuk des Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston. Der Plazeboeffekt sei nicht zwingend von der Überzeugung des Patienten abhängig, zeige die aktuelle Studie. Im Rahmen der Arzt-Patienten-Beziehung könnte die Behandlung mit Plazebo ein Ritual darstellen, das Symptome verändern kann und möglicherweise Hirnregionen aktiviert, die Symptome modulieren.

In der Studie von Kaptchuk und Mitarbeitern waren 97 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen ausführlich über den Plazeboeffekt aufgeklärt worden. Dann erhielt eine Gruppe die bei chronischen Rückenschmerzen übliche Behandlung, die andere wurde der Plazebogruppe zugeordnet. Die meisten Patienten nahmen bereits Schmerzmedikamente gegen ihre Schmerzen ein, die sie auch weiterhin nehmen durften. Die Dosierung jedoch wie auch Lebensstilfaktoren sollten sie nicht verändern. Patienten der Plazbogruppe erhielten zusätzlich eine Medizinflasche mit dem Etikett "Plazebo-Tabletten".  


Mit Plazebo weniger Schmerzen und Einschränkungen

Nach dreiwöchiger Behandlung wiesen Patienten der Plazebogruppe 30 Prozent weniger Schmerzen auf als zuvor und auch das Schmerzmaximum war um 30 Prozent reduziert. Bei Studienteilnehmern der Gruppe mit üblicher Behandlung hatten die gewohnten Schmerzen nur um neun Prozent abgenommen, das Schmerzmaximum um 16 Prozent. Mit Plazebo Behandelte wiesen auch um 29 Prozent verminderte schmerzbedingte Einschränkungen auf, bei der anderen Gruppe ließen sich hier keine Verbesserungen nachweisen.

Die Forscher denken, der Nutzen in der Plazebogruppe liege in der Art der Behandlung, dem Kontakt zu Ärzten und dem Pflegepersonal und der Einnahme der Tabletten, die Rituale und Symbole des Gesundheitssystems sind. Auf diese reagiere der Körper.  Der Behandlungsansatz könnte auch bei anderen Störungen wirksam sein, so die Forscher. Die Studienteilnehmer waren ihren Angaben zufolge der Plazebotherapie gegenüber aufgeschlossen und interessiert. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann31.10.16Zum AnfangZurück

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