Patient muss eigene Blutgruppe nicht zwingend kennen

Stuttgart (dpa/tmn) - Es ist nicht zwingend nötig, die eigene Blutgruppe zu kennen. «Vor einer OP oder im Notfall muss immer die Blutgruppe des Patienten geprüft werden», erklärte Harald Genzwürker von der Johanniter-Unfall-Hilfe in Stuttgart im dpa-Themendienst-Gespräch. «Das gilt auch, wenn sie in einem Notfallausweis aufgeschrieben ist oder der Patient sie sagen kann.» Wichtiger sei es, Angaben zu Allergien, bisherigen Operationen, Vorerkrankungen und Medikamenten, die man einnimmt, bei sich zu tragen. Sie helfen dem Arzt, den Patienten richtig zu behandeln.

«Blut muss auf viele Werte untersucht werden, nicht nur auf Blutgruppe oder Rhesusfaktor», sagte Genzwürker. Nur so könne herausgefunden werden, welches Blut am besten mit dem des Patienten kompatibel ist und keine Abstoßung provoziere. «Es ist ähnlich wie bei einer Organtransplantation: Das Blut eines Menschen passt ebenso wenig wie ein Spenderorgan absolut hundertprozentig zu einem anderen Menschen.»

Auch bei Menschen, die schon einmal eine Bluttransfusion bekommen haben, muss das Blut wieder untersucht werden. «Es könnten sich nach der Übertragung Antikörper gebildet haben - ohne, dass es der Patient gemerkt hat», sagte Genzwürker. Bei einer erneuten Blutübertragung könnten diese Antikörper gravierende Abstoßungsreaktionen wie Atemnot oder Kreislaufversagen auslösen. Der Arzt rät daher, frühere Bluttransfusionen bei Krankenhausaufenthalten immer anzugeben.

Wenn ein Patient etwa nach einem Unfall sofort eine Bluttransfusion braucht und ausgiebige Tests vorab nicht möglich sind, gibt es einen rettenden Trick. «In dem Fall geben die Ärzte Blut der Blutgruppe Null negativ, denn sie ist mit allen anderen Blutgruppen kompatibel», so Genzwürker. Es muss jedoch auch in diesem Fall erst Blut abgenommen werden, bevor das fremde Blut in den Körper gelangt. Denn nach der ersten Notfallversorgung gilt auch hier, das Blut des Patienten zu untersuchen und sobald wie möglich das am besten passende Blut zu finden.

Quelle: Alexandra Bülow, dpa31.01.12Zum AnfangZurück

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