Oxytocin: Mehr als ein Liebeshormon

Oxytocin ist als Liebeshormon bekannt. Doch spielt das Hormon nicht nur für soziale Bindungen eine Rolle, es beeinflusst offenbar auch den spirituellen Glauben, ergab eine Untersuchung an Männern.


Oxytocin ist das Bindungshormon

Wissenschaftler der Duke University in Durham, North Carolina, verabreichten Männern ein Nasenspray mit dem Hormon Oxytocin. Als Reaktion zeigten sie eine verstärkte Wahrnehmung von Spiritualität verglichen mit Männern, die kein Nasenspray erhalten hatten. Das Hormon förderte auch positivere Empfindungen beim Meditieren zutage. Die Studie dazu veröffentlichten die Forscher im Fachblatt "Social Cognitive ans Affective Neuroscience". 

Oxytocin wird im Hypothalamus des Gehirns gebildet und hat bei der Geburt und beim Stillen eine große Bedeutung. Es fördert die Bindung zum Kind und gilt deshalb allgemein als Bindungshormon. Es spielt also auch für andere Beziehungen, Empathie, Vertrauen und sexuelle Leidenschaft eine Rolle.  

In der aktuellen Studie hatten 83 Männer mittleren Alters entweder ein Nasenspray mit oder ohne Oxytocin erhalten. Direkt im Anschluss und eine Woche später machten die Männer Angaben zu ihren spirituellen Überzeugungen. Außerdem nahmen sie an Meditationsübungen unter Anleitung teil und teilten ihre Empfindungen dazu mit.


Oxytocin beeinflusst Wahrnehmung und Glauben

Männer, die Oxytocin erhalten hatten, gaben mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an, Spiritualität sei für ihr Leben wichtig und das Leben hätte Sinn und Bedeutung – ganz unabhängig davon, ob sie einem Glauben anhingen oder nicht. Daneben gaben die Männer an, sich mit anderen Menschen oder Dingen verbunden zu fühlen. Männer ohne Oxytocin empfanden dies weniger wahrscheinlich. Bei der Meditation berichteten Männer, die dem Hormon ausgesetzt waren, häufiger über positive Empfindungen wie Dankbarkeit, Ehrfurcht, Hoffnung, Inspiration, Liebe und Gelassenheit.

Eine genetische Untersuchung offenbarte, dass der Zusammenhang zwischen Oxytocin und erhöhter Spiritualität bei Männern mit einer bestimmten Genvariante ausgeprägter war. Das Gen CD38 reguliert die Ausschüttung von Oxytocin im Hypothalamus. 

Spiritualität und Meditation stehen mit Gesundheit und Wohlbefinden in Zusammenhang, so die Wissenschaftler. Beeinflussende Faktoren sind offenbar auch biologischer Natur. Oxytocin beeinflusst den Forschern zufolge die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen und was wir glauben.

Quelle: Dr. Julia Hofmann27.09.16Zum AnfangZurück

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