Ohrentzündung: Lokale Antibiotika reichen aus

Kinder werden häufig von Mittelohrentzündungen heimgesucht, was oft Antibiotikabehandlungen nach sich zieht. Wirksam ist offenbar auch eine lokale Antibiotikatherapie, so Kinderärzte aus Boston. Die Medikamente werden einfach in den Ohrkanal gegeben. Der Clou: Nur eine Anwendung soll ausreichen, um die Infektion erfolgreich zu bekämpfen.


Fast alle Kinder machen eine Mittelohrentzündung durch

Besonders Kinder unter zwei Jahren tragen ein erhöhtes Risiko für Mittelohrentzündungen (Otitis media). Schätzungen zufolge entwickeln 95 Prozent der Kinder mindestens eine Ohrentzündung in ihrer Kindheit. Sie sind der häufigste Grund für Antibiotikatherapien bei Kindern.

Wenn auch Antibiotikaeinnahmen zuverlässig wirken, ist die Lösung alles andere als ideal. Die Kinder müssen die Medikamente mehrfach am Tag bis zu zehn Tag lang einnehmen, was an sich schon eine Herausforderung darstellt. Auch sind die Beschwerden oftmals beseitigt, bevor die Antibiotikabehandlung zu Ende ist. Nicht selten brechen Eltern die Therapie deshalb zu früh ab, was das Risiko der Wiederkehr der Infektion erhöht. Überdies fördert der zu frühe Therapieabbruch die Entwicklung von Resistenzen bei Bakterien. In der Folge wirken Antibiotika nicht mehr. Resistente Keime sind zu einem großen Gesundheitsproblem geworden.

Weiteres Problem ist, dass Antibiotika bei der Otitis media nicht so leicht an den Ort des entzündlichen Geschehens gelangen. Deshalb sind hohe Dosen nötig. Damit steigt jedoch auch das Risiko von Nebenwirkungen. Durchfälle, Pilzinfektionen im Mund oder Hautausschläge kommen besonders häufig vor.


Durchlässigkeit des Trommelfells durch chemische Verstärker

Lokale Behandlungen wären sinnvoll, sind bislang aber kaum praktikabel. Denn das Trommelfell ist undurchlässig und wirkt als natürliche Barriere. Doch Forscher entwickelten jetzt eine Lösung, die diese Sperre umgehen kann. Chemische Permeationsverstärker lassen das Medikament ins Mittelohr gelangen, da sie helfen, molekulare Poren zu öffnen.

Versuche an Chinchillas waren bereits erfolgreich. Die Behandlung ist ungiftig und im Blut ließen sich keine Antibiotika nachweisen. Allerdings hörten die Tiere zum Teil etwas schlechter, vergleichbar mit einer Verstopfung durch Ohrenschmalz. Mit einer Verringerung der Dosis ließ sich das Problem aber offenbar aus der Welt schaffen, heißt es in "Science Translational Medicine".

Quelle: Dr. Julia Hofmann21.09.16Zum AnfangZurück

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: