Nikotin: Schutz vor Hirnalterung

Nikotin ist eine in Tabakprodukten und E-Zigaretten enthaltene, abhängig machende Substanz. Wo oberflächlich betrachtet nichts Gutes erkennbar zu sein scheint, entdecken US-Forscher jetzt einen möglichen Nutzen: Nikotin könnte vor der Alterung des Gehirns schützen. Die Studie dazu veröffentlichten sie im "Journal of Toxicology".


Studie: Wie wirkt Nikotin auf Appetit, Gewicht, Angst und Rezeptoren?

Studien an Tiere und Menschen zeigten bereits, dass Nikotin mit kognitiven Vorteilen verbunden sein könnte. Die chemische Substanz bindet nikotinische Acetylcholinrezeptoren im Gehirn, die Untersuchungen zufolge die Degeneration von Nervenzellen reduzieren. "Der medizinische Einsatz des Stoffes könnte deshalb von großem medizinischen Nutzen sein", so die Forscher um Ursula Winzer-Serhan vom Texas A&M College of Medicine. Der zugrunde liegende Mechanismus dieses Zusammenhanges ist bislang unklar. 

Im Mausmodell hatten die Wissenschaftler die Auswirkungen unterschiedlicher Dosen an Nikotin auf Appetit, Gewicht, Angst und nikotinischen Acetylcholinrezeptoren untersucht. Bezüglich der Angst ist unklar, ob Nikotin diese steigert oder schwächt. Wenn Nikotin medizinisch eingesetzt würde, wäre nicht nur die Suchtproblematik ein wichtiges Thema, sondern auch Verhaltensveränderungen.

Nutzen des Nikotins an alterndem Gehirn ist unklar

Die Tiere erhielten das Nikotin über ihr Trinkwasser. Dem Wasser waren geringe, mittlere oder hohe Dosen von Nikotin zugesetzt worden. Bei Mäusen, die geringe oder mittlere Dosen von Nikotin aufgenommen hatten, ließen sich keine Spuren der Substanz im Blut nachweisen. Auch Essverhalten, Gewicht oder Rezeptoren blieben unverändert. Hohe Dosen an Nikotin jedoch ließen Mäuse weniger essen, das Körpergewicht sank und die Rezeptoren im Gehirn nahmen zu. Vermehrte Angst konnten die Forscher nicht nachweisen.

Die Veränderung der Rezeptorendichte im Gehirn durch Nikotin lässt auf eine Nervenzellen schützende Wirkung schließen. Wie Nikotin auf alternde Gehirne wirkt, sollen weitere Studien klären, so die Wissenschaftler. Möglicherweise wären auch die appetit- und gewichtssenkenden Auswirkungen des Nikotins daran beteiligt, dass die Substanz vor einer Hirnalterung schützt. In einem nächsten Schritt sollte die Sicherheit der Anwendung der Substanz geprüft werden. Die Forscher wollen aber keinesfalls zum Rauchen oder dem Verwenden anderer Nikotin enthaltener Produkte ermuntern. Denn es ist völlig unklar und zweifelhaft, ob der Nutzen von Nikotin den potentiellen Schaden aufwiegen könnte. Dies könnte aber auch von der Form der Verabreichung abhängen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann29.09.16Zum AnfangZurück

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