Nahrungsmitelallergie: Risikofaktor Antibiotika

Sind Antibiotikabehandlungen im ersten Lebensjahr nötig, um Infektionen zu bekämpfen? Die Therapie könnte das Risiko für Nahrungsmittelallergien erhöhen, fanden jetzt US-Forscher heraus.


Je mehr Antibiotikaverschreibungen, desto höher das Allergierisiko

Kinder, die im ersten Lebensjahr Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen erhielten, entwickeln häufiger eine Nahrungsmittelallergie. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der University of South Carolina im Journal "Allergy, Asthma & Clinical Immunology". Dies geht aus der Analyse von Verwaltungsdaten des US-Gesundheitsfürsorgeprogramms Medicaid der Jahre 2007 bis 2009 hervor. Über 1.500 Fälle von Kindern mit Nahrungsmittelallergie wurden fast 6.000 nichtallergischen Kindern gegenübergestellt. Die Gruppen von Kindern entsprachen sich hinsichtlich des Geburtszeitpunkts, Geschlechts und der Abstammung. Auch andere möglicherweise allergiefördernde Faktoren wurden berücksichtigt.

Kinder mit Antibiotikaverschreibung im ersten Jahr nach der Geburt erhielten 1,21mal wahrscheinlicher eine Nahrungsmittelallergiediagnose als Kinder, die so früh im Leben noch keine Antibiotika erhalten hatten. Zudem stieg die Wahrscheinlichkeit einer Allergiediagnose mit der Anzahl der verschriebenen Antibiotikatherapien. Drei Verschreibungen im ersten Lebensjahr ließen das Allergierisiko um 1,31mal wahrscheinlicher werden, vier Verschreibungen um 1,43mal und fünf oder mehr Verschreibungen um 1,64mal.


Forscher: Unnötige Antibiotikabehandlungen vermeiden

Am direktesten war die Verbindung zwischen der Verschreibung von Antibiotika aus der Klasse der Cephalosporine und Sulfonamide. Bei beiden Arten von Antibiotika handelt es sich um Breitspektrumantibiotika, die einen weiten Bereich von Bakterien bekämpfen können.

Schon lange ist bekannt, dass eine normale und gesunde Darmflora für das Immunsystem eine maßgebliche Rolle spielt und sie lernen muss, Fremdeiweißstoffe aus der Nahrung zu tolerieren. Antibiotikatherapien verändern die Zusammensetzung der Darmbakterien, was sich auf das sich noch bildende Immunsystem auswirken kann. Die Wissenschaftler warnen vor unnötigen Antibiotikabehandlungen. Allerdings sei es oft schwierig, zwischen bakteriellen und viralen Infektionen zu unterscheiden. Hier bestehe Bedarf an verbesserten diagnostischen Möglichkeiten.

Quelle: Dr. Julia Hofmann13.09.16Zum AnfangZurück

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