MS: Die Rolle von Darmbakterien

Zunehmend geraten in der Forschung zur Multiplen Sklerose (MS) Darmbakterien ins Visier. Forscher finden jetzt heraus, dass bei ihnen nicht nur ein Ungleichgewicht besteht, sondern sie auch entzündungsfördernd und  entzündungshemmend wirken können. 


MS: Darmbakterien aus dem Gleichgewicht?

Die MS ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die meist schubhaft verläuft. Etwa 2,3 Millionen Menschen sind weltweit von der Autoimmunkrankheit betroffen. Die Symptome können sich teilweise oder ganz wieder zurückzubilden. Die Krankheit verläuft chronisch und ist nicht heilbar. Verschiedene Therapien sollen das Immunsystem beeinflussen und dabei helfen, seltener und weniger schwere Schübe zu entwickeln. Die Ursache der Krankheit ist unbekannt, wenngleich verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. 

Neuere Forschungsarbeiten widmeten sich der Untersuchung des  Darmbakterienprofils bei Patienten mit MS. Es zeigte sich, dass Patienten mit MS hier ein von Gesunden abweichendes Profil aufweisen. Die Menge einiger Bakterien ist erhöht, andere Bakterien sind in zu geringer Anzahl vertreten. 

Die aktuelle Studie von Forschern der University of California geht jetzt einen Schritt weiter. Forscher untersuchten die Bedeutung abweichender Bakterien für das Immunsystem. In einem Teil ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler die den Darm besiedelnden Bakterien von 71 Menschen mit MS und verglichen diese mit 71 gesunden Personen. Sie untersuchten dann, welche der mengenmäßig abweichenden Bakterien das Immunsystem beeinflussen und entzündungshemmenden oder -fördernden Einfluss besitzen. 


Darm könnte eines Tages im Fokus der Therapie stehen

Sie fanden zwei Bakterienspezies im Darm, die bei MS-Patienten häufig vorkommen und entzündungsfördernd wirken. Ein anderer Keim, der bei MS-Patienten oftmals in zu geringer Menge vorhanden ist, reguliert den Studienergebnissen zufolge das Immunsystem. Die genaue Wirkung der Bakterien untersuchten die Forscher dann in Versuchen mit Mäusen. Hier bestätigten sich die Vorbefunde. Zudem bestätigte sich die Vermutung, dass das bakterielle Ungleichgewicht die Degeneration im Nervensystem fördert. 

Die Forscher vermuten deshalb einen Zusammenhang der bakteriellen Darmbesiedelung mit der Entstehung der MS. Hier könnte zukünftig ein Therapieansatz liegen.

Die Studie wurde in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.

Quelle: Dr. Julia Hofmann21.09.17Zum AnfangZurück

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