Missgebildete Lämmer - Verdacht auf Schmallenberg-Virus

Warstein/Soest (dpa) - In Nordrhein-Westfalen sind erneut missgebildete Lämmer zur Welt gekommen. Es sei davon auszugehen, dass die Tiere mit dem Schmallenberg-Virus infiziert seien, teilte Kreisveterinär Wilfried Hopp am Freitag in Soest mit. Erste Untersuchungen beim Staatlichen Veterinär-Untersuchungsamt in Arnsberg legten diese Vermutung nahe. Derzeit werde noch eine Bestätigung durch das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems, erwartet.

Die Tiere wurden in einer Schafherde im sauerländischen Warstein geboren. «Wir nehmen das sehr ernst», sagte FLI-Sprecherin Elke Reinking. Die Tiere kämen tot auf die Welt oder seien nicht überlebensfähig. Das Institut will nun bundesweit Daten über die Verbreitung des Virus sammeln. Bisher wurde es in insgesamt 20 deutschen Betrieben - überwiegend in NRW - nachgewiesen. Es gebe 12 positive Proben von Rindern aus 6 Beständen aus NRW, teilte das FLI mit. Zudem sei das Virus bei Lämmern aus 14 Betrieben nachgewiesen worden, je 7 aus NRW und Niedersachsen.

Die FLI-Sprecherin betonte, dass noch bis kurz vor Ostern Lämmer geboren würden. «Die Fallzahlen lassen derzeit noch keine Einschätzung über das Ausmaß der Viruserkrankung zu.» Zu den Missbildungen der Tiere gehören ein Wasserkopf, verdrehte und versteifte Gelenke sowie eine deformierte Wirbelsäule.

Das Schmallenberg-Virus war erstmals im vergangenen Herbst bei Rindern und Schafen in den Niederlanden entdeckt worden. Weil die Proben aus dem sauerländischen Ort stammten, wurde es vorläufig Schmallenberg-Virus genannt. Unklar ist noch, ob der Erreger neu eingeschleppt wurde oder schon länger unerkannt in Europa vorkommt. Nach bisherigen Erkenntnissen können sich Rinder, Schafe und Ziegen infizieren.

Die Tiere des Warsteiner Schafzüchters seien mit missgebildeten Gliedmaßen und Gelenken zur Welt gekommen, sagte ein Sprecher der Kreises Soest. Kreisveterinär Hopp rechnet mit weiteren Meldungen. «Wir erwarten eine Missbildungsrate von bis zu 30 Prozent. Auch für die Kälber, die im März und April zur Welt kommen, fürchte ich Konsequenzen.»

Das Schmallenberg-Virus bewirkt bei Milchkühen hohes Fieber und einen starken Rückgang der Milchproduktion. Es gehört dem FLI zufolge zur Gattung der Orthobunyaviren, die - wie die Erreger derBlauzungenkrankheit - durch kleine Stechmücken (Gnitzen) übertragen werden. Orthobunyaviren waren bislang nur bei Rindern in Ozeanien, Australien und Afrika bekannt.

Bisher gibt es keine Anzeigepflicht für den neuen Erreger. Nach Einschätzung des FLI ist nicht von einem Risiko für Menschen auszugehen. «Wer 150-prozentig sichergehen will, sollte sich von Geburten von Kälbern und Lämmern fernhalten», riet der Mescheder Kreisveterinär Thomas Delker.

Quelle: dpa13.01.12Zum AnfangZurück

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