Mangelversorgung bei chronischen Schmerzen

Was tun, wenn der Schmerz nicht mehr verschwindet? Man geht zum Arzt. Eine Garantie, dass einem schnell geholfen wird, gibt es aber nicht. Deutschland hat Nachholbedarf beim Thema chronische Schmerzen.

Bei der Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen gibt es nach Einschätzung von Experten große Defizite in Deutschland. Im Moment braucht ein chronischer Schmerzpatient zwei Jahre bis er zu richtigen Diagnose kommt. Dann braucht es in der Regel noch einmal zwei Jahre, bis der Patient eine adäquate Therapie bekommt. Einer Befragung der Universität Leipzig zufolge leidet etwa ein Drittel der Deutschen nach eigener Einschätzung an chronischen Schmerzen. 5,4 Prozent gaben einen chronischen Schmerz an, der mit körperlichen und sozialen Beeinträchtigungen verbunden ist. Bei 2,3 Prozent der Befragten kommen noch seelische Beeinträchtigungen durch den Schmerz hinzu.

Wann ein Schmerz als chronisch einzustufen ist, ist nicht fest definiert. Gängig ist eine Einordnung bei einem Schmerz, der mindestens sechs Wochen bis drei Monate vorhanden ist. Eigentlich müsste die Definition aber sein, ob der Schmerz im Mittelpunkt steht und das eigene Leben dominiert.

Oft wird der Übergang von einem Schmerz, der als Symptom auftritt, zu einer chronischen Schmerzkrankheit zu spät erkannt. Weiter bemängelten die Experten, dass es in Deutschland zu wenig Schmerztherapeuten gibt, in vielen Regionen sind die Wartezeiten für Patienten deshalb zu lang. Viele Ärzte machen die Schmerztherapie quasi nebenher als «Hobby», weil sie davon alleine nicht leben können.

Es wird kritisiert, dass in Deutschland ein Aktionsplan gegen den Schmerz fehlt, den es in Ländern wie Portugal oder Frankreich bereits gibt. Als Defizit steht außerdem, dass das Thema Schmerz in der Ausbildung zum Psychologen nicht vorkommt. Ein Schmerzpatient braucht aber häufig auch einen Psychologen. 

Die Deutsche Schmerzgesellschaft will künftig erreichen, dass die Versorgungsforschung im Bereich Schmerz ausgebaut wird. Noch fehlen in Deutschland in zahlreichen Bereichen der Schmerzmedizin belastbare Daten.

Quelle: dpa15.11.12Zum AnfangZurück

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