Männerbärte gegen Antibiotikaresistenzen

Bärtige Männer leisten möglicherweise im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen einen Beitrag, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Erst kürzlich noch waren Bartträger in Verruf geraten, da sich im Gesichtshaar gefährliche Bakterien tummeln könnten. Das jetzige Untersuchungsergebnis jedoch kommt zu einem ganz anderen Schluss.


Antibiotika werden zunehmend wirkungslos

Egal ob Dreitagebart, Backenbart, Kinnbart oder schmaler Oberlippenbart – das die Männlichkeit ausdrückende Gesichtshaar ist mehr als modisches Accessoire oder individueller Stil. Barthaare könnten nämlich der Schlüssel zur Entwicklung neuer Antibiotika sein, so Mikrobiologen des University College London. Sie suchen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen seit vielen Jahren nach neuen Medikamenten.

In den USA entwickeln jährlich über zwei Millionen Menschen antibiotikaresistente Infektionen, über 23.000 Patienten sterben infolge solch einer Infektion. Antibiotikaresistenzen von Bakterien wurden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 2014 zum weltweiten Problem erklärt und man kann demnach von einer "Post-Antibiotika-Ära" sprechen, d. h. Infektionen, die bis vor kurzem gut mit Antibiotika zu behandeln und heilen waren, werden zunehmend zu lebensgefährlichen Erkrankungen.

Neben einem vorsichtigeren und zielgerichteteren Umgang mit Antibiotika ist die Suche nach neuen Medikamenten nötig, um Antibiotikaresistenzen besser beherrschen zu können. Allerdings sind Neuentdeckungen von Antibiotika eher rar und wurden seit mehr als zehn Jahren immer weniger.


Ein Viertel der Bakterien im Bart wirken antibiotisch

In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher nun die Bärte von 20 zufällig in London ausgewählten Männern.  Aus den Bärten konnten sie innerhalb von vier Wochen über 100 Bakterienstämme isolieren und die meisten waren Hautbakterien. Es fanden sich auch Bakterien, die sich normalerweise im Dünndarm befinden. Diese müssten aber nicht zwangsläufig aus dem Darm stammen, so die Wissenschaftler.

Sie testeten dann die Bakterien aus den Bärten gegen sogenannte Indikatorbakterienstämme antibiotikaresistenter Bakterien. Überraschenderweise zeigte sich, dass etwa ein Viertel der Bakterien in Bärten in der Lage waren, antibiotikaresistente Indikatorstämme zu töten. Das bedeutet, dass diese Bakterien aus dem Bart selbst Antibiotika bilden können. Beispielsweise konnte ein Hautbakterium, Staphylokokkus epidermis, effektiv antibiotikaresistente Bakterien aus dem Darm, Escherichia coli (E.coli), bekämpfen und vernichten.

Quelle: Dr. Julia Hofmann16.02.16Zum AnfangZurück

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