Männer: Chromosomverlust bei Alzheimer?

Männer, deren rote Blutzellen kein Y-Chromosom besitzen, sind für die Alzheimerkrankheit empfänglicher. Könnte das Fehlen des männlichen Geschlechtschromosoms frühzeitig vor Alzheimer warnen?


Männliches Geschlechtschromosom kann mit dem Alter degenerieren

Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter der Demenzkrankheit Morbus Alzheimer. Die Alzheimerdemenz ist die am häufigsten vorkommende Form der Demenz. Die genauen Mechanismen und Risikofaktoren, die zur der Erkrankung führen, sind bislang nicht richtig verstanden. Ein Risikofaktor ist das höhere Lebensalter, doch scheinen auch andere Faktoren eine Rolle zu spielen.

So scheint es eine erbliche Komponente bzw. genetische Empfänglichkeit für Alzheimer zu geben. Zusammenhänge fanden sich auch mit Bluthochdruck, Folsäureaufnahme, erhöhten Cholesterinwerten sowie geistiger und körperlicher Aktivität. Eine neu entdeckte Komponente, die für die Krankheit bedeutsam sein könnte, ist eine genetische Veränderung bei Männern. Offenbar fehlt Alzheimerpatienten in roten Blutzellen häufiger das Y-Chromosom.

Die sogenannten Geschlechtschromosomen von Frauen und Männern unterscheiden sich. Während Frauen zwei X-Chromosomen aufweisen, besitzen Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Das Y-Chromosom enthält einen Code, der die Entwicklung der Hoden triggert.

Es wurde bereits mehrfach beschrieben, dass das Y-Chromosom einiger alternder Männer degeneriert und mit der Zeit verschwindet. Dieser Verlust war bereits mit Krebs in Zusammenhang gebracht worden und Wissenschaftler vermuten, dass dieser Verlust früh vor Krebserkrankungen warnen könnte.


Fehlendes Chromosom könnte Immunsystem beeinträchtigen

Ein Forscherteam aus Schweden, Großbritannien, Frankreich, Kanada und den USA fand jetzt heraus, dass bereits an Alzheimer erkrankte Männer wahrscheinlicher einen Chromosomenverlust in roten Blutzellen aufwiesen. Umgekehrt entwickelten Männer mit einem Verlust des Y-Chromosoms in den folgenden fünf Jahren auch wahrscheinlicher eine Alzheimerkrankheit.

Die roten Blutzellen sind für das Immunsystem sehr wichtig. Das fehlende Chromosom könnte die Immunfunktion empfindlich stören. Möglicherweise würde eine verhältnismäßig einfache Untersuchung helfen, Männer herauszufiltern, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Krebs und Alzheimer aufweisen, glauben die Wissenschaftler.

Ihre Studie stellten die Forscher anlässlich der Konferenz der European Society of Human Genetics in Barcelona vor. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann03.06.16Zum AnfangZurück

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