Kritzeln kann glücklich machen

Beim Telefonieren, in der Schule oder im Hörsaal: Nebenher ein Blatt Papier vollzukritzeln, kennt fast jeder. Forscher entdecken, dass Kritzeln positive Gefühle auslösen kann – und das ganz unabhängig von der künstlerischen Begabung.


Forscher prüfen Auswirkungen künstlerischer Tätigkeiten

Die einen machen es andauernd, die anderen vielleicht seltener oder niemals: Kritzeleien in Heften, auf Blöcken oder Zetteln zeugen manchmal von der künstlerischen Begabung, manchmal auch nicht. Unabhängig davon wirkt das Kritzeln auf das Gehirn, finden Forscher der Drexel Universität in Philadelphia heraus. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie im Journal "The Arts in Psychotherapy". 

Studien ergaben, dass die Herstellung von Kunst das psychologische Wohlbefinden steigert. Zum Beispiel kann Malen Stress reduzieren. Trends wie das Ausmalen von Bildern kamen in der jüngsten Vergangenheit auf und sollen helfen, zu entspannen. Warum künstlerische Tätigkeiten, zu denen auch einfache Kritzeleien gehören, so reizvoll sind, lässt sich jetzt besser erklären: Sie aktivieren das Belohnungszentrum und sorgen deshalb für positive Gefühle. Das kreative Erschaffen von Kunst kann demnach glücklich machen.

In der aktuellen Studie wurden 26 gesunde Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren untersucht, acht davon waren Künstler. Den Probanden wurden drei Aufgaben gestellt: Ausmalen, Kritzeln oder freies Malen duften je drei Minuten in Anspruch nehmen. Während der Tätigkeiten zeichneten die Forscher die Hirnaktivität mit der Spektroskopie auf. Diese ließ eine Beurteilung der Hirndurchblutung in verschiedenen Hirnregionen zu.


Kritzeln und Malen fördert Hirndurchblutung im Belohnungszentrum

Alle drei künstlerischen Tätigkeiten führten offenbar zu einer ansteigenden Hirndurchblutung im Bereich des Vorderhirns. In den kurzen Ruhepausen zwischen den Malaktivitäten kehrte die Durchblutung wieder zu den Ausgangswerten zurück. Der mehr durchblutete Hirnbereich, der präfrontale Kortex, ist Teil des Belohnungssystems des Menschen. Es spielt auch für Emotionen eine Rolle.

Laut Wissenschaftler triggert das Malen und Kritzeln angenehme Gefühle. Kritzeln hatte dabei die größten Auswirkungen, gefolgt von freiem Malen und Ausmalen beziehungsweise Kolorieren. Allerdings waren die gemessenen Unterschiede in der Durchblutung nicht signifikant.

Es zeigte sich, dass sich die Auswirkungen der künstlerischen Aktivität zwischen Künstlern und Nicht-Künstlern nicht unterschieden. Es ist also kein künstlerisches Talent nötig, damit das Gehirn aktiviert wird und positive Gefühle entstehen. Kritzeln oder Zeichnen und Malen können wahrscheinlich bei jedem Menschen rasch zu einer Verbesserung der Stimmung führen und das ist auch therapeutisch etwa im Rahmen von Kunsttherapien nutzbar. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann26.06.17Zum AnfangZurück

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