Kortisonspritzen bei Rückenschmerz kaum wirksam

Bei Rückenschmerzen erhalten Patienten oftmals Injektionen mit Kortison im Bereich des Rückens. Die Behandlung ist aber meist wenig effektiv, um längerfristig von Schmerzen zu befreien, ergab eine aktuelle Untersuchung.

 

 

Kortisoninjektionen gegen Scheinbehandlung

 

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Die meisten Menschen machen mindestens einmal im Leben Erfahrungen mit den Schmerzen. Kommt es zu akuten Rückenschmerzen, ist oftmals zunächst eine Schmerzlinderung mit Medikamenten nötig. Daneben kommen Kortisonspritzen in Frage, die lokal in den Bereich des schmerzenden Rückens gespritzt werden. Sie sollen die Entzündung reduzieren und damit die Schmerzen lindern. Die Injektionen kommen häufig zum Einsatz, wenn Ärzte eine Entzündung der Nervenwurzeln vermuten oder eine Verengung des Spinalkanals, die häufig Ursache von Rückenschmerzen sind.

 

Behandlungen mit sogenannten epiduralen Kortisoninjektionen bei den genannten Erkrankungen werden immer häufiger, obwohl bereits verschiedene Studien die Wirksamkeit der Therapie anzweifelten. Für ihre in den "Annals of Internal Medicine" publizierte Studie untersuchten Forscher 30 Studien hinsichtlich der Kurz- und Langzeitwirkung von Kortisoninjektionen im Vergleich zu einer Scheinbehandlung bei Patienten mit einer sogenannten Radikulopathie (Nervenwurzelentzündung) und Spinalkanalverengung. Schwerpunkt legten die Forscher auf die Wirkung der Behandlung von Schmerzen, auf Funktion und später nötigen operativen Eingriffen.

 

 

Injektionen nur in der Akutbehandlung

 

Injektionen wirkten bei Patienten mit Radikulopathie kurzfristig im Vergleich zu einer Scheinbehandlung schmerzlindernd. Der Effekt ist aber nur gering und wirklich nur sehr kurz anhaltend. Vor allem bewahrte die Behandlung nicht vor einem späteren chirurgischen Eingriff. Bei einer Spinalkanalverengung dagegen war die Injektionsbehandlung einer Scheinbehandlung nicht überlegen.

 

Nebenwirkungen der Kortisoninjektionen waren zwar selten schwer, doch kam es häufiger zu Blutungen, Blutgerinnseln und Nervenwurzelirritationen. Laut Studienautoren wird die Wirkung von Kortisoninjektionen bei unteren Rückenschmerzen überbewertet. Unglücklicherweise stehen aber nur eingeschränkt Therapieoptionen zur Wahl, die nichtoperativ sind. Für eine Besserung der Beschwerden ist eine längere Zeit anzusetzen. 

 

Kritiker der Studie bemängeln die Auswahl der zugrunde gelegten Studien. Zudem diene eine Injektionsbehandlung mit Kortison primär der akuten Schmerzlinderung und nicht einer Langzeitbehandlung. Die Injektionsbehandlung sollte also nicht als einzige Behandlung zur Anwendung kommen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann01.09.15Zum AnfangZurück

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