Kompressionsstrümpfe - mehr als Seniorensocken

Fleischfarben und knalleng - das sind gemeinhin die Merkmale von Stützstrümpfen. Da liegt der Gedanke an Seniorenheim und Sanitätshaus nicht fern. Doch es gibt sie auch in bunt und schick: Nicht nur Profi-, sondern auch immer mehr Freizeitsportler sind mit farbenfrohen Beinkleidern zu sehen. Vor allem Läufer tragen Kompressionsstrümpfe - in der Hoffnung, die Durchblutung zu fördern und Ermüdungserscheinungen der Muskeln hinauszuzögern und nach der Belastung schneller zu regenerieren.

Es scheint so zu sein, dass die Kompression die Erholungsphase beschleunigt. Es ist daher plausibel, dass sich mit den Strümpfen Muskelkater vorbeugen oder verringern lässt. Subjektiv ist das auf alle Fälle so. Das hätten Befragungen von Sportlern ergeben. In der Literatur werden positive Effekte beschrieben. Wissenschaftlich begründet ist das Phänomen bislang allerdings nicht, und der Nachweis dafür schwierig.

Es wird derzeit der These nachgegangen, dass die Kompression die Schwingung der Muskeln beim Sport einschränkt und es dadurch zu weniger Mikroverletzungen in der Muskulatur kommt, die letztlich zu Muskelkater führen. Man will auch herausfinden, ob es Sinn hat, für eine Ausdauersportart wie Laufen anders gearbeitete Stützstrümpfe zu verwenden als für Sprungsportarten wie Volley- oder Handball. Bis endgültige Ergebnisse vorliegen, dauert es allerdings noch. Auf jeden Fall ist das Tragen erst mal gewöhnungsbedürftig, denn die Strümpfe sind recht eng und üben Druck auf die Wade aus. Man muss sie erst mal eine Weile tragen und sich darin wohlfühlen.

Auch wenn man sie inzwischen vermehrt an Sportlerbeinen sieht - hauptsächlich kommen Kompressionsstrümpfe aber bei Krampfadern, Schwellungen oder Hautveränderungen durch Venenerkrankungen, Thrombose und Venenentzündung zum Einsatz. Im Freizeitsport sind sie sicher kein «Muss» für jeden. Für sinnvoll beim Sport sind sie aber für Menschen mit Krampfadern oder nach einer Thrombose.

Kompressionsstrümpfe wirken grundsätzlich auf zwei Arten. Zum einen üben sie Druck auf die Blutgefäße aus, damit die Beinvenen im Stehen mehr Blut in Richtung Herz pumpen. Pumpt der Körper nicht genug Blut nach oben, macht sich das meist durch Schwellungen und Hautveränderungen an den Beinen bemerkbar. Durch die Kompression von außen bekommt das Venensystem einen kleineren Durchmesser, und das Blut fließt schneller ab. Die Folge sind weniger Schwellungen und weniger Hautverfärbungen.

Zum anderen können die Strümpfe auch Druck auf das Unterhautfettgewebe ausüben. Auch dadurch lässt sich die Schwellungsneigung etwa bei Ödemen oder anderen Entzündungen senken. Die Flüssigkeitsabgabe und -aufnahme im Gewebe wird beschleunigt. Die Kompression wirkt entzündungshemmend. Auch im tiefen Venensystem, also den Gefäßen, die im Inneren des Beins liegen, fließe dadurch das Blut schneller ab. Damit lässt sich auch Blutgerinnseln (Thrombosen) vorbeugen.

Normale Strümpfe haben von oben nach unten die gleiche Maschenzahl. Bei Kompressionsstrümpfen verringern die Hersteller beim Stricken die Maschenzahl und -weite in Richtung Fuß. Es gibt unterschiedliche Kompressionsklassen, je nachdem, wieviel Druck hineingestrickt wurde. Manche Strümpfe sind daher dehnbarer als andere. Der höchste Druck liegt im Knöchelbereich. Der Druck fällt ab, je weiter der Strumpf nach oben reicht, so wie normalerweise im Venensystem.

Gemessen wird der Druck in der vom Blutdruckmessen bekannten Maßeinheit Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Klasse eins übt 20 mmHg aus, bei Klasse zwei sind es 30 mmHg und 40 mmHg bei Klasse drei. Welche Klasse infrage kommt, richte sich nach dem Bedarf des Patienten. Wer zum Beispiel schon mal ein offenes Bein hatte, wird Klasse drei bekommen, wer abends zu geschwollenen Beinen neigt, Klasse zwei. Klasse eins wird in der Regel Schwangeren verordnet, weil diese oft mit Krampfadern und Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen zu kämpfen haben.

Bei Sport-Stützstrümpfen gibt es keine Klassen. Die sind je nach Hersteller unterschiedlich eng. Aber mehr Druck als Klasse eins haben sie wahrscheinlich nicht. Höhere Kompressionsklassen sind für den Sport gar nicht geeignet, sie würden die Muskelkontraktion behindern. Klasse zwei und drei haben ohnehin nichts mehr mit einer normalen Socke zu tun. Die sind so knalleng, dass es eine halbe Stunde dauert, bis man die angezogen hat. Unterhalb von Klasse eins liegen in der Regel Thrombosestrümpfe, die Flugreisenden empfohlen werden.

Solche Kompressionsstrümpfe sollen auf langen Strecken Blutgerinnsel (Thrombosen) in den Beinvenen vermeiden helfen. Das Risiko, auf einem Flug eine Thrombose zu bekommen, ist für Gesunde sehr klein, auch auf langen Flugreisen. Der Grund, warum manche gesunde Reisende unterwegs dennoch die Strümpfe tragen, ist ein anderer: Sie verhindern geschwollene Füße, die einen nach der Landung nicht in den Schuh kommen lassen. Denn Flüssigkeit staut sich auch bei Gesunden in den Beinen, wenn sie sich lange nicht bewegen.

Wem das Tragen der eng anliegenden Strümpfe unangenehm ist, sollte auf langen Strecken, auch in Bus und Bahn, unterwegs regelmäßig Gymnastik machen, um Schwellungen zu vermeiden. Eine Möglichkeit ist, Fußballen und Ferse abwechselnd anzuheben. Besser noch ist es, immer wieder aufzustehen und etwas herumzulaufen.

Ob ein Kompressionsstrumpf nun vom Arzt verschrieben oder freiwillig beim Sport oder in der Luft getragen wird: Er muss gut sitzen. Eine Studie an der Ruhr-Universität Bochum ergab vor einigen Jahren, dass jede dritte medizinisch verordnete Socke rutscht oder einschnürt. Die Forscher raten Patienten daher, sich das Produkt nur von speziell geschultem Fachpersonal, etwa im Sanitätshaus, anpassen zu lassen. Angenehmer wird das Tragen auch durch abendliche Hautpflege mit feuchtigkeitsspendenden Lotionen oder Salben.

Freizeitsportler achten am besten darauf, dass sie nicht nur die Schuhgröße, sondern auch den Wadenumfang auswählen können. Der Strumpf sollte am ganzen Bein gut passen. Je nach Hersteller kann der Umfang um acht bis zehn Zentimeter variieren. Und dann heißt es: ab auf die Piste und testen.

Quelle: dpa17.01.13Zum AnfangZurück

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