Koma-Patient Prinz Friso hat Tausende Schicksalsgenossen

Das Drama um Prinz Friso rückt das Schicksal von Koma-Patienten ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der Sohn von Hollands Königin Beatrix ist kein Einzelfall. Auch in Deutschland sind Tausende betroffen.

London (dpa) - Das Koma des niederländischen Prinzen Johan Friso lenkt den Blick auf tausende Patienten mit ähnlichem Schicksal. Der 43-jährige Sohn von Königin Beatrix erlitt vor zwei Wochen bei einem Skiunfall in Österreich schwere Hirnverletzungen. Seit Freitag wird er in einer Londoner Spezialklinik behandelt. «Die Privatsphäre des Patienten hat allerhöchste Priorität», sagte ein Sprecher des privaten Wellington Hospitals der Nachrichtenagentur dpa.

Wegen der Möglichkeiten der modernen Medizin sehen Experten die Zahl der Koma-Patienten stark steigen - auch in Deutschland. «Prinz Friso hätte vor 20 Jahren nicht überlebt», sagte Matthias Ullmann, Chefarzt im niedersächsischen Coppenbrügge, der dpa.

Deutschlandweit liegen mehrere tausend Patienten im Wachkoma. Genaue Zahlen werden nicht zentral erfasst, Schätzungen von Experten liegen zwischen 3000 und 5000 Patienten. Die Erfassung ist schwierig, weil die Betroffenen in Kliniken, Pflegeheimen oder aber zu Hause untergebracht sind.

Der Münchner Sterberechts-Experte Wolfgang Putz kritisierte in einem dpa-Gespräch, häufig verhindere die Emotionalität von Heimträgern, Ärzten und Angehörigen das eigentlich angebrachte Sterben der Patienten. «Obwohl die Rechtslage inzwischen eindeutig ist, müssen viele Patienten gegen ihren eigentlichen Willen weiterleben», sagte er. Angehörige, die ein würdevolles Sterben durchsetzen wollten, bekämen etwa zu hören: «Das ist Mord, wenn du den Willen deiner Mutter ausführst. Dann wirst du ausgestoßen.»

Putz kämpft nach eigenen Worten gegen «selbst ernannte Lebensschützer» und weit verbreitete rechtliche Fehlinformationen. «Immer noch glauben viele, dass das Beenden einer Beatmung oder Ernährung strafbar sei. Was falsch ist.»

Die Londoner Privatklinik im noblen Stadtteil St Johns Wood ließ verlauten, sie wolle ihren prominenten Koma-Patienten Friso, der schon seit Jahren in London lebte und als Manager arbeitete, streng abschotten. Das Königshaus teilte mit, Frisos Mutter, Königin Beatrix, sei mit dessen Frau, Prinzessin Mabel, und den Kinder in die britische Hauptstadt gekommen.

Die Abteilung für neurologische Rehabilitation des Wellington Hospitals ist nach eigenen Angaben die größte ihrer Art in Großbritannien. Die Therapieangebote seien umfassend und auf dem neuesten Stand, heißt es auf der Internetseite.Eine Lawine hatte den Prinzen beim Skifahren in Lech verschüttet. Sauerstoffmangel führte nach Krankenhausangaben zu einem 50 Minuten langen Herzstillstand und weitreichenden Hirnschäden. Seinen Ärzten zufolge ist es ungewiss, ob er jemals wieder zu Bewusstsein kommt.

Quelle: dpa02.03.12Zum AnfangZurück

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