Kinder: Apfelsaft bei Magen-Darm-Infekten

Eine Studie in Kanada zeigt: Trinken Kinder verdünnten Apfelsaft statt spezieller elektrolythaltiger Trinklösungen, treten seltener Komplikationen auf.


Elektrolytlösungen gegen die Austrocknung

Vor allem Kinder trocknen bei Magen-Darm-Infekten mit Durchfall und Erbrechen durch den Flüssigkeitsverlust schnell aus und können auch bei scheinbar milden Infekten leicht in lebensbedrohliche Zustände geraten. Nach bisherigen Empfehlungen sollen Eltern einer möglichen Austrocknung (Dehydratation) mit speziellen Elektrolytlösungen zum Trinken entgegenwirken. Sie enthalten neben Wasser auch Salze und Zucker, die eine Aufnahme der Flüssigkeit im Darm erleichtern. Aufgrund ihres schlechten Geschmacks ist der Einsatz von Elektrolytlösungen bei Kindern allerdings sehr limitiert und die Sprösslinge verweigern die Aufnahme schnell. 


Verdünnter Apfelsaft als bessere Alternative

Ein Team um Stephen B. Freedman der University of Calgary in Kanada versorgte nun Kinder im Alter von sechs bis 60 Monaten, die an milden Magen-Darm-Infekten litten, mit unterschiedlichen Flüssigkeiten. Eine Gruppe durfte mit Wasser 1:1 verdünnten Apfelsaft oder ihr Lieblingsgetränk nach Belieben trinken. Die andere Gruppe erhielt eine elektrolythaltige Trinklösung mit Apfelgeschmack, deren Menge nach dem geschätzten Flüssigkeitsverlust der Kinder berechnet wurde.

Kinder, die verdünnten Apfelsaft tranken, litten am seltensten unter Komplikationen, die eine Versorgung mit Infusionen nötig gemacht hätten. Auch Krankenhausaufenthalte, Arztkonsultierungen, langwierigere Krankheitsverläufe und Gewichtsverluste über drei Prozent des Körpergewichts dokumentierten die Wissenschaftler in dieser Gruppe seltener. 
Am zweitwirksamsten gegen die Austrocknung waren die von den Kindern selbst gewählten Getränke. Die eigentlich zu diesem Zweck entwickelten Elektrolytlösungen bildeten nur das Schlusslicht in der Untersuchung. 
 
Freedman betont jedoch, dass verdünnter Apfelsaft und Getränke nach Wahl nur für Kinder mit milden Erkrankungen in Ländern mit hohem Einkommen eine Alternative zu trinkbaren oder über die Vene gegebenen Elektrolytlösungen darstellten. Schwerere Magen-Darm-Infekte bei Kindern bedürfen immer einer engmaschigen ärztlichen Überwachung.

Quelle: Dr. Julia Hofmann09.05.16Zum AnfangZurück

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