Kinder: Alkoholprobleme nach Hirnverletzung

Kinder verletzen sich schnell einmal im Bereich des Kopfes. Forscher entdecken einen Zusammenhang zwischen Hirnverletzungen bei Kindern und Jugendlichen und einem Alkohomissbrauch im späteren Leben.


Hirntrauma in Kindheit und Jugend als Risikofaktor

Dass es unter Alkoholeinfluss leichter zu Gehirnverletzungen kommen kann, scheint einleuchtend. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang. Dass Hirnverletzungen aber umgekehrt für Alkoholmissbrauch empfänglich machen, ist eher überraschend. Genau das ergab jetzt eine Untersuchung von Forschern der Ohio State University. 

In vorherigen Untersuchungen an Mäusen hatten die Wissenschaftler beobachtet, dass junge Tiere mit Hirntrauma als Erwachsene mehr Alkohol tranken. Auch in Studien an Menschen stießen sie auf Zusammenhänge zwischen Hirntraumata und Alkoholkrankheit. Sie analysierten deshalb bereits bestehende Studien zum Thema.

Die Forscher fanden einen klaren Zusammenhang zwischen Hirnverletzungen in der Kindheit und Jugend und Alkoholproblemen im Erwachsenenalter. Kinder, die sich im Alter unter fünf Jahren Hirnverletzungen zuzogen, wiesen eine um 3,6mal höhere Wahrscheinlichkeit für Alkoholmissbrauch im Teenageralter auf als Kinder, die sich nicht verletzt hatten.


Mehrere Faktoren könnten Alkoholmissbrauch fördern

Anhand der Literatur untersuchten die Wissenschaftler zugrunde liegende Mechanismen, die den Zusammenhang erklären könnten. Die Hirnverletzung beeinflusst möglicherweise Faktoren negativ, die im Leben stabilisierend wirken. Das sind zum Beispiel stabile Beziehungen, Aktivitäten außerhalb der Schule und der Erhalt eines Arbeitsplatzes. In diesen Bereichen schneiden Menschen mit früheren Hirnverletzungen offenbar schlechter ab.

Hirnverletzungen könnten zudem das Verhalten beeinflussen. Impulsivität und Verhaltenskontrollstörungen könnten eher vorkommen. Nicht zu vernachlässigen sind auch entzündliche Prozesse des Gehirns infolge der Verletzung, die für den späteren Alkoholkonsum mitverantwortlich sein könnten. 

Möglicherweise führt ein Hirntrauma auch zu einer Verletzung bestimmter neurochemischer Systeme im Gehirn, die in der Kindheit beziehungsweise Entwicklung besonders verletzungsanfällig sind.

Die Forscher fordern weitere Studien zum Thema. Ihre Studie veröffentlichten sie im Journal "Frontiers in Behavioral Neuroscience".

Quelle: Dr. Julia Hofmann04.09.17Zum AnfangZurück

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: