Kalzium kann Demenz bei Frauen fördern

Seniorinnen, die unter Durchblutungsstörungen in den Hirngefäßen leiden, sollten lieber kein Kalzium als Nahrungsergänzung einnehmen. Offenbar fördert das die Entwicklung einer Demenz, warnen Wissenschaftler im Fachournal "Neurology".

Gehirngefäßkrankheiten vermindern die Durchblutung des Gehirns, sodass  es zu Schlaganfällen oder Vorboten eines Schlaganfalls, zu Blutungen und Demenz kommen kann. Diese Erkrankungen entwickeln sich meist ab einem Alter von 60 Jahren. Ältere Menschen leiden oftmals unter einer fortgeschrittenen Arterienverkalkung (Arteriosklersose). Außerdem kommt insbesondere bei Frauen häufig Osteoporose vor.

Ein Kalziummangel macht für Osteoporose empfänglich, weshalb die tägliche Einnahme von 1.000 bis 1.200 Milligramm empfohlen wird. Da es schwer ist, diese Kalziummenge allein über die Nahrung zu beziehen, nehmen Betroffene oft ein Nahrungsergänzungsmittel ein. Die Auswirkungen auf die Gesundheit seien aber nicht ausreichend geklärt, so Silke Kern von der Universität Gothenburg in Schweden. Sie und ihr Team wollten prüfen, ob die zusätzliche Einnahme von Kalzium das Risiko für die Entwicklung einer Demenz erhöht und ob dieser Zusammnhang bei Menschen mit Durchblutungsstörungen in den Gefäßen des Gehirns beonders ausgeprägt ist.

Dafür beobachteten sie fünf Jahre lang 700 Senioren im Alter zwischen 70 und 92 Jahren, die zu Beginn der Untersuchung keine Demenz aufwiesen.Zu Beginn und am Ende der Studienzeit machten die Studienteilnehmerinnen Tests, um ihre geistige Leistungsfähigkeit zu ermitteln. Außerdem wurden mit der Computertomographie Bilder des Gehirn angefertigt. Die Forscher berücksichtigen außerdem den Einsatz einer Kalziumnahrungsergänzung und ob in der Studienzeit eine Demenzerkrankung diagnostiziert wurde.

Es zeigte sich, dass Frauen mit Kalziumeinnahme doppelt so wahrscheinlich an einer Demenz erkrankten wie Frauen, die kein Kalzium einnahmen. Das erhöhte Risiko betraf aber nur Frauen mit einer Arteriosklerose der Hirngefäße. Frauen mit einem Schlaganfall trugen ein siebenfach erhöhtes Risiko für eine Demenz, wenn sie einer Kalzumtherapie folgten. Auch Frauen mit Läsionen in der weißen Hirnsubstanz trugen ein höheres Risiko für eine Demenz.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich nicht sagen, dass die Kalziumeinnahme die Ursache von Demenzen ist. Auch war die Teilnehmerzahl in der Studie gering, was die Aussagekraft weiter einschränkt. Weitere Studien zum Thema könnten mehr Klarheit bringen. Kalzium aus Nahrungsmitteln halten die Wissenschaftler aber für ungefährlich, da der Körper mit diesem Kalzium anders umginge. Das aus der Nahrung stammende Kalzium könne sogar vor Herzkreislaufkrankheiten schützen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann30.08.16Zum AnfangZurück

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