Job: Wenn Väter pendeln, leiden die Kinder

Pendeln Väter zur Arbeit, bleibt das für deren Nachwuchs nicht ohne Folgen. Die Kinder haben offenbar mehr soziale und emotionale Probleme als Kinder von Vätern, deren Weg nicht so weit zur Arbeit ist, finden deutsche Wissenschaftler heraus. Bislang waren die Auswirkungen des Pendelns auf Kinder nicht untersucht worden.


Männer haben weitere Wege zur Arbeit

Zur Arbeit zu pendeln ist in entwickelten Ländern keine Besonderheit. Der Arbeitsplatz deutscher Arbeitnehmer ist durchschnittlich 13 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Dafür benötigen sie 44 Minuten. In der Höhe der durchschnittlichen Pendelzeit nehmen die Deutschen nach den Holländern den zweiten Rang ein. Dabei haben männliche Arbeitnehmer mehr Zeit als Frauen in Kauf zu nehmen, um zum Arbeitsplatz zu kommen. Dies gilt auch für Väter im Vergleich zu Müttern.

Jianghong Li und Matthias Pollmann-Schult vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zeigten nun erstmals, dass das Pendeln der Väter für deren Kinder negative Konsequenzen haben kann. Sie setzten die tägliche und wöchentliche Pendelzeit mit dem emotionalen und sozialen Problemen von Kindern zwischen fünf und sechs Jahren in Zusammenhang. Dafür nutzten sie die Daten einer repräsentativen Gruppe des sozioökonomischen Panels (SOEP). 


Ist Pendeln mit veränderter Erziehung verbunden?

Kinder von Vätern, die zwei Jahre zuvor zur Arbeit pendeln mussten, wiesen unabhängig von der Länge der Arbeitszeit beider Eltern mehr Probleme mit Gleichaltrigen auf. Auch die Bildung, Beruf, mütterliches Alter oder Migrationshintergrund spielten in diesem Zusammenhang keine Rolle. Das Pendeln von 40 Kilometern und mehr pro einfachem Weg war mit geringeren sozialen Fertigkeiten verbunden. Bei mehr als 60 Kilometer zur Arbeit zeigten die Kinder weitere Verhaltensauffälligkeiten mit Gleichaltrigen. 

Ursache könnte nicht nur die väterliche Abwesenheit sein, die mit dem Pendeln verbunden ist. Auch väterliche Müdigkeit und Stress sind möglicherweise bedeutsam, was sich in der Erziehung niederschlagen könnte. Dies gilt besonders für Väter, die während der ganzen Woche abwesend sind. Möglich sind auch Auswirkung auf die Beziehung zur Mutter, was sich ebenfalls in der Erziehung niederschlagen könnte, so die Forscher.

Quelle: Dr. Julia Hofmann01.06.16Zum AnfangZurück

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