Hygieneärzte: Fachleute zur Verhinderung von Krankenhausinfektionen

Berlin (dpa) - Krank durch Infektionen im Krankenhaus - diesen Teufelskreis sollen Hygieneärzte in Kliniken durchbrechen. Nach dem erneuten Tod von Säuglingen in der Frühchenstation eines Bremer Krankenhauses fordern Politiker wie der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mehr hauptamtliche Hygieneärzte in Kliniken.

Wie arbeitet ein Hygienearzt im Krankenhaus?

Hygieneärzte achten darauf, dass alle Hygieneregeln auch wirklich eingehalten werden. Sie sollen mögliche «Hygienefallen» entdecken. Das reicht vom Händewaschen bei Ärzten und Pflegepersonal über die Sterilisierung von medizinischen Geräten und Werkzeugen bis hin zur Einhaltung der Reinheitsvorschriften im gesamten Gebäude. Damit soll vor allem verhindert werden, dass Patienten mit Krankheitserregern in Kontakt kommen und an einer vermeidbaren Infektion erkranken. Nach aktuellen Schätzungen sterben jedes Jahr rund 10 000 Menschen in Deutschland an Krankenhausinfektionen.

Was für eine Ausbildung haben Hygieneärzte?

Sie haben in der Regel eine mehrjährige Facharztausbildung durchlaufen, entweder in Hygiene und Umweltmedizin oder in Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. Daneben gibt es Hygienebeauftragte, die sich auf diesem Gebiet fortgebildet haben.

Welche Vorschriften gibt es für Kliniken, wenn es um Hygieneärzte geht?

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention hat 2009 personelle Empfehlungen für Kliniken ausgesprochen. Danach sollen zum Beispiel Häuser mit mehr als 400 Betten einen hauptamtlichen Krankenhaushygieniker beschäftigen. Das Infektionsschutzgesetz hat in Paragraf 23 festgelegt, dass die Landesregierungen bis zum 31. März 2012 Rechtsverordnungen für Krankenhäuser schaffen müssen. Dabei geht es auch um die erforderliche personelle Ausstattung mit Hygienefachkräften. Bis Ende 2016 soll ausreichend Fachpersonal qualifiziert sein.

Wie weit sind diese Maßnahmen schon umgesetzt?

Nach einem Bericht der «Ärzte-Zeitung» vom Februar haben rund zwei Drittel der Kliniken mit mehr als 400 Betten für Hygieneärzte gesorgt. Ein Drittel haben dieses Ziel aber noch nicht erreicht. In Kliniken mit mehr als 600 Betten sind nach einer Befragung des Deutschen Krankenhausinstituts rund 1,6 hauptamtliche Hygiene-Fachärzte tätig, in kleineren Krankenhäusern aber nur 0,5 oder noch weniger. Nach einer Umfrage verbrachten viele Hygieneärzte auch rund die Hälfte ihrer Zeit mit fachfremden, meist organisatorischen Aufgaben.

Quelle: dpa01.03.12Zum AnfangZurück

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