Haben Kinder heute mehr Lebensmittelallergien?

Heute werden mehr Lebensmittelallergien bei Kindern diagnostiziert als noch vor 30 Jahren. Doch das muss im Umkehrschluss nicht heißen, dass Kinder früher seltener unter Allergien litten. 


Allergiediagnosen immer häufiger

Seit den 90er Jahren steigt die Rate der diagnostizierten Lebensmittelallergien. In den USA leidet mittlerweile eines von 20 Kindern an einer Überempfindlichkeit auf ein oder mehrere Nahrungsmittel. Vor allem Milch, Eier, Schalentiere und Erdnüsse rufen häufig allergische Reaktionen hervor. Betroffene bekommen nach dem Genuss der unverträglichen Nahrungsmittel Symptome wie Hautausschläge oder sogar Kreislauf- und Atemprobleme. Nicht nur die Zahl der Lebensmittelallergiediagnosen steigt stetig, auch die Aufnahmezahlen von Kindern mit allergischen Schocks sind in die Höhe gegangen. 

Forscher der Johns Hopkins University School of Medicine verglichen nun den Antikörpergehalt in Blutproben von Kindern zwischen 1980 und 2000 mit dem heutiger. Ihre Ergebnisse sind überraschend.


Keine Unterschiede in Blutproben feststellbar

Immunglobulin E (IgE) ist der Antikörper, der als verantwortlich für das Auslösen allergischer Reaktionen gilt. Der Körper bildet Antikörper gegen vermeintlich schädliche Eindringlinge in den Körper. Bei Allergien kommt es zu einer fälschlichen Sensibilisierung auf eigentlich harmlose Stoffe. Um eine Lebensmittelallergie zu diagnostizieren, wird der Gehalt von spezifischen IgE-Antikörpern in Blutproben analysiert. Verschiedene IgE-Antikörper können nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an unterschiedliche Eiweiße aus Nahrungsmitteln binden und so das Immunsystem aktivieren. 

Die Ergebnisse aus den Analysen der Blutproben verblüffen die Forscher. Sie konnten keine Zunahme im Gehalt von IgE-Antikörpern in den neueren Blutproben feststellen. Immunglobuline, die auf Schalentiere reagieren, finden sich heute sogar seltener als in Blutproben der 80er und 90er. Unklar ist für die Forscher jedoch, wie sie ihre Befunde erklären können. Eine Möglichkeit ist, dass Eltern heute sensibler auf Allergiesymptome reagieren und diese medizinisch abklären lassen als noch vor 30 Jahren. Eine andere Erklärung wäre, dass die Zusammenhänge zwischen IgE-Gehalten im Blut gegen bestimmte Nahrungsmittel und das Auftreten von Allergien neu geklärt werden müssen. Es ist bereits bekannt, dass nicht jeder, der beispielsweise Immunglobuline gegen Erdnussbestandteile ausbildet, auch Allergiesymptome nach dem Verzehr von Erdnüssen zeigt.

Die Forscher möchten nun größere Zahlen Blutproben analysieren, um den Zusammenhängen genauer auf die Spur zu kommen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann06.05.16Zum AnfangZurück

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