Tagträumen spricht für effizientes Gehirn

Wer öfter nicht bei der Sache zu sein scheint und seinen Gedanken nachhängt, wird oftmals als unkonzentrierter Träumer beurteilt. Tagträume sind aber nicht unbedingt ein Indiz für Realitätsfremdheit oder Ineffizienz – im Gegenteil: Tagträumer sind oftmals besonders kreativ und intelligent.


Tagträumer weisen besonders aktives Gehirn auf

Tagträumer werden oftmals für unfähig gehalten, sich auf eine Sache zu fokussieren, sie schweben in anderen Sphären und beteiligen sich nicht wirklich am Hier und Jetzt. Aber ist es tatsächlich so ungewöhnlich, dass die Gedanken wandern und wir uns plötzlich mit ganz anderen Themen beschäftigen, als wir eigentlich sollten? 

Eine Studie ergab, dass fast die Hälfte der Zeit im Wachzustand mit abschweifenden Gedanken vergeht. Forscher vermuteten, dass dieser Umstand unglücklich machen könnte, weil die Gedanken sich gerne auf negative Szenarios beziehen. Aber Menschen, die tagträumen, könnten auch Vorteile genießen.

Wissenschaftler um Eric Schumacher und Christine Godwin vom Georgia Institute of Technology in Atlanta fanden heraus, dass Tagträumer ein sehr aktives Gehirn aufweisen und dass sie möglicherweise überdurchschnittlich intelligent und kreativ sind.

"Menschen mit einem effizienten Gehirn weisen vielleicht eine zu hohe Hirnkapazität auf, um ihre wandernden Gedanken zu stoppen", so die Studienautoren. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentlichten sie im Fachjournal "Neuropsychologia".


Tests: Tagträumer sind kognitiv leistungsfähiger

Das sogenannte Ruhezustandsnetzwerk ("Default Mode Network") des Gehirns wurde bereits mit Tagträumen in Zusammenhang gebracht. Bei diesem Netzwerk handelt es sich um Hirnbereiche, die auch im Ruhezustand des Gehirns aktiv sind. Die Forscher untersuchten, ob Tagträumer eine bestimmte Dynamik innerhalb dieses Netzwerks aufweisen und ob beim Tagträumen das Netzwerk mit anderen Hirnbereichen kommuniziert und dies mit höheren kognitiven Fähigkeiten verbunden ist. Dafür fertigten sie Magnetresonanztomographieuntersuchungen von 112 Personen an und ließen diese zudem an kognitiven Tests teilnehmen.

Probanden, die angaben, häufig am Tag zu träumen, schnitten in kognitiven Tests besser ab als jene, die dies seltener taten. Die Bildgebung offenbarte, dass diese Studienteilnehmer auch eine erhöhte Aktivität in Hirnregionen aufwiesen, die mit Lernen und Erinnerung verbunden sind.

Tagträumen ist den Wissenschaftlern zufolge also nicht schlecht, sondern ein Hinweis auf eine hohe Leistungsfähigkeit des Gehirns.

Quelle: Dr. Julia Hofmann06.11.17Zum AnfangZurück

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