Herzinfarkt: Fette aus Bakterien unter Verdacht

Fettablagerungen in Gefäßen und Gefäßverkalkung gehen mit Herzkrankheiten wie koronarer Herzkrankheit (KHK) und Herzinfarkt oder Schlaganfall einher. Nicht allein die Ernährung sei verantwortlich, so Forscher. Bakterien im Mund könnten beteiligt sein.


Mund- und Herzgesundheit hängen zusammen

Wissenschaftler haben möglicherweise eine Erklärung dafür gefunden, dass Erkrankungen des Zahnfleisches und Herzgefäßkrankheiten zusammenhängen. Denn für die Gefäßverkalkung der Herzkranzgefäße oder anderer Gefäße könnten nicht nur Fettablagerungen aus Fetten der Nahrung, sondern auch aus Fetten von Bakterien verantwortlich sein. 

Arteriosklerose ist die Ursache von Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Verkalkung von Gefäßen sorgt dabei für eine Verengung und Verstopfung von arteriellen Blutgefäßen. Die fetthaltigen Ablagerungen an der Innenwand der Gefäße führen zu Immunreaktionen und Entzündungen, in deren Verlauf es zu einer Verdickung der Gefäßinnenwand kommt. Dies fördert weitere Ablagerungen und mit der Zeit entstehen größere Ablagerungen (Plaques) und warzenförmige Gebilde (Atherome) in den Gefäßen.

Seit langer Zeit machen Mediziner und Forscher Fette aus der Nahrung, vor allem Cholesterin, für Gefäßablagerungen bei der Arteriosklerose verantwortlich. Allerdings ist auch bekannt, dass manche Menschen sich mit Eiern, Butter, Fleisch oder fetthaltigem Fisch sehr cholesterinreich ernähren, ohne dabei Schaden zu nehmen. Aber wie kann das sein?


Fette aus Bakterien als Ursache von Arteriosklerose?

Die Wissenschaftler analysierten Ablagerungen aus Gefäßen und untersuchten die chemische Signatur der abgelagerte Fette. Zu ihrer Überraschung stießen sie auf Fette, die nicht von Tieren stammen, jedoch aus einer bestimmten Familie von Bakterien. Bakterien des Stammes Bacteriodetes bilden viel Fett, das sich von tierischen Fetten chemisch unterscheidet.

Die Forscher vermuten, dass das Immunsystem des Menschen stärker auf diese "Fremdfette" reagiert und die bakteriellen Fette eher zu einer Arteriosklerose führen. Normalerweise sind die fettbildenden Bakterien fester und stabiler Bestandteil der Mundhöhle und des Darms. Sie können aber auch zu Krankheiten wie Parodontitis führen und darüber in die Blutbahn gelangen.

Die Forscher wollen jetzt weitere Untersuchungen anstellen, um zu prüfen, unter welchen Umständen sich die Fette aus den Bakterien an der Gefäßinnenwand ablagern.

Ergebnisse der Studie wurden im "Journal of Lipid Research" veröffentlicht.

Quelle: Dr. Julia Hofmann07.11.17Zum AnfangZurück

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