Übergewicht: Schämen kann krankmachen

Schämen sich Übergewichtige ihres Körpers, kann das auch körperlich krankmachen. Sie neigen zum Beispiel eher zu Herzkreislaufkrankheiten und Diabetes, so Forscher. Übergewichtige Menschen sind oftmals Anfeindungen und Vorurteilen ausgesetzt.


Forscher: Stigma kann verinnerlicht werden

Body Shaming bedeutet, dass über den Körper direkt oder indirekt abfällig geredet wird. Ob über Prominente, Arbeitskollegen oder Schulkameradin, Körper von Personen werden unablässig verglichen, kommentiert oder beurteilt. Übergewichtige Menschen werden oftmals für faul, unattraktiv, inkompetent oder willensschwach gehalten. Diese Botschaften gehen an vielen Menschen nicht vorbei. Besonders von Übergewicht Betroffene leiden möglicherweise und haben ein negatives Selbstbild. Aber auch unabhängig vom wahren Körpergewicht haben viele Menschen das Gefühl, ihr Körper sei unattraktiv.

Dies kann das Risiko for Herzleiden oder Stoffwechselerkankungen erhöhen, ergab eine aktuelle Studie, die im Fachmagazin "Obesity" veröffentlicht wurde. Wer demnach mit dem Körpergewicht hadert und damit verbundene Stereotype verinnerlicht, hat ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Den Forschern zufolge ist es ein häufiger Irrglaube, dass ein Stigma Menschen motiviert. Mit dem Gegenteil sei eher zu rechnen. 


Stoffwechselstörung durch Verinnerlichung von Stereotypen

Zu diesen Ergebnissen waren die Wissenschaftler nach einer Studie mit 159 übergewichtigen Studienteilnehmerinnen gekommen. Sie hatten an einer Untersuchung teilgenommen, deren Ziel es war, die Wirksamkeit gewichtsreduzierender Medikamente zu untersuchen. Die Frauen wurden entsprechend ihrer Einstellung und Meinung über sich selbst in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe hatte sich stereotype Beurteilungen in Zusammenhang mit ihrem Übergewicht zu eigen gemacht und empfand sich selbst zum Beispiel als faul oder willensschwach, die andere Gruppe hatte sich diese Bilder weniger zu eigen gemacht.

Die Forscher untersuchten die Frauen nach Hinweisen auf das Metabolische Syndrom. Das Metabolische Syndrom fasst verschiedene Krankheitszeichen wie erhöhte Blutfettwerte oder Bluthochdruck zusammen, die das Risiko für Erkrankungen des Herzkreislaufsystems oder des Stoffwechsels erhöhen. Nach Einteilung der Studienteilnehmerinnen in die beiden Gruppen zeigte sich, dass Frauen, die besonders stark abwertende Meinungen in Verbindung mit ihrem Übergewicht verinnerlicht hatten, dreimal wahrscheinlicher ein metabolisches Syndrom aufweisen als Frauen, die dies weniger taten. Die Wahrscheinlichkeit erhöhter Blutfettwerte war sechsfach erhöht. Nicht entscheidend war die Höhe des Übergewichts.

Quelle: Dr. Julia Hofmann10.02.17Zum AnfangZurück

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