Gene können Übergewicht bei Kindern begünstigen

Jeder fünfte Deutsche ist zu dick. Übergewicht ist eines der Hauptthemen auf dem diesjährigen Internistenkongress, der aktuell in Wiesbaden läuft. Wie viel Fettleibigkeit steckt in den Genen?

Übergewicht bei Kindern kann auch genetisch bedingt sein. «Vor wenigen Tagen haben Forscher zwei Genveränderungen identifiziert, die das Risiko um mehr als 20 Prozent erhöhen, dass ein Kind Übergewicht entwickelt», sagte der Adipositas-Experte Sebastian Schmid vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (Lübeck) der Deutschen Presse-Agentur. In den allermeisten Fällen hätten Übergewicht und krankhafte Fettleibigkeit (Adipositas) aber nichts mit den Genen zu tun. «Der größte Teil der Adipositas ist auf schlechte Ernährung und zu wenig Sport zurückzuführen», so der Arzt.

«Insbesondere in den letzten 30 Jahren gab es einen massiven Anstieg der Adipositas in der Bevölkerung», sagte Schmid. Im europäischen Vergleich sei Deutschland eine der dicksten Nationen, jeder Fünfte sei hierzulande adipös. Als adipös gilt, wer einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 hat. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (in Metern). Als übergewichtig gilt, wessen Wert über 25 liegt. Der auf Adipositas spezialisierte Mediziner ist besorgt: «Alarmierend ist, dass vor allem junge Leute und Kinder immer dicker werden.»

Warum das so ist, dazu gibt es verschiedene Theorien. Eine Theorie hat die sogenannten Softdrinks im Verdacht, also zuckerhaltige Limonaden. «Mit Softdrinks führt man dem Körper sehr schnell und sehr einfach ganz viel Energie zu», sagte Schmid. Auch Light-Produkte seien nicht besser. Diese enthielten zwar weniger Zucker, dafür aber andere Süßstoffe, die im Verdacht stünden, Hunger auszulösen.

Der Mediziner aus Lübeck empfiehlt, den eigenen Lebensstil zu überdenken, sobald «das Körpergefühl schlecht wird» und man sich nicht mehr beweglich fühlt. Wenn Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes auftreten, sei es höchste Zeit für ärztlichen Rat. Von Diäten hält Schmid nichts. Damit ließen sich zwar am Anfang passable Ergebnisse erzielen, auf Dauer sei das aber nicht durchzuhalten. «Es geht darum, die Ernährung langfristig ausgewogener zu gestalten.»

Schmid sagte, «die Adipositas ist eine der am intensivsten erforschten Krankheiten». Besonders interessiere die Forscher, wie Hunger und Appetit hormonell gesteuert werden. «Warum beginnen wir zu essen?», sei die Fragestellung der nächsten Jahre. Schmid ist sich sicher: «Hier wird sich in der Wissenschaft noch einiges tun».

Quelle: Gespräch: Jan Fritsche, dpa16.04.12Zum AnfangZurück

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