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Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern sind in den USA, aber auch hierzulande, ein zunehmendes Gesundheitsproblem. Antibiotikabehandlungen in der frühen Kindheit könnten eine der Ursachen sein, so US-Forscher.

  

Laut der American Heart Association hat sich die Anzahl von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern zwischen 1971 und 2011 verdreifacht. Durch Übergewicht bedingte Gesundheitsstörungen können vor allem in späteren Lebensjahren auftreten. Dazu zählen Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, erhöhte Blutfette, aber auch psychische Erkrankungen wie Depressionen.

 

 

Antibiotika und Übergewicht: Große Langzeitstudie an Kindern gibt Aufschluss

 

Bereits in der Vergangenheit war entdeckt worden, dass Nebenprodukte des Antibiotikums Penicillin bei Tieren zu einer Gewichtszunahme führen können, was in der Tierzucht aktiv angewendet wird. Die Tiere sollen in möglichst kurzer Zeit an Gewicht zunehmen.

 

Zwar bestand der Verdacht schon länger, dass Antibiotikabehandlungen bei Kindern auch beim Menschen zu einer Gewichtszunahme führen könnten. Doch fehlten bislang langfristige große Bevölkerungsstudien, die diese belegen könnten. Mit dieser Art Studie warten nun US-Forscher auf.

 

Sie hatten elf Jahre lang gut 163.000 Kinder zwischen drei und 18 Jahren untersucht und setzten Antibiotikagaben, Gewicht und Größe sowie Body Mass Index (BMI) in Beziehung. Der BMI ist eine Maßzahl zur Abschätzung des Körpergewichtes im Verhältnis zur Körpergröße.

 

 

Antibiotikatherapien in der Kindheit kritisch prüfen 

 

Kinder im Alter von 15 Jahren, die mehr als siebenmal in der Kindheit Antibiotika erhalten waren, wogen drei Pfund mehr als jene, die gar keine Antibiotika erhalten hatten. Insgesamt 21 Prozent aller untersuchten Kinder hatten siebenmal oder sogar noch häufiger Antibiotika während ihrer Kindheit erhalten.

 

Antibiotikabehandlungen können die Zusammensetzung der Darmbakterien verändern, so die Wissenschaftler. Denn sie töten nicht nur gefährliche Bakterien, sondern auch für die Verdauung wichtige Bakterienarten. Dies könnte die Verdauung und Verwertung von Nahrungsmittelbestandteilen nachhaltig beeinflussen, schreiben sie im "International Journal of Obesity".

 

Die Forscher fordern zu einem sehr sorgsamen Einsatz von Antibiotika bei Kindern. Oftmals gäben Ärzten bei Verschreibungen den Druck der Eltern nach. Dies sei nicht nur aufgrund der Gewichtsentwicklung bedenklich, sondern auch hinsichtlich der sich immer weiter ausdehnenden Antibiotikaresistenzen, die Bakterien entwickeln. Oftmals werden auch Antibiotika verschrieben, obwohl es sich um eine virale Erkrankung handelt und nicht um eine bakterielle. Diese Fehldiagnose schwächt das Immunsystem der Kinder zusätzlich.

Quelle: Dr. Julia Hofmann29.10.15Zum AnfangZurück

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