Drogen gegen Rückenschmerzen

Chronische Rückenschmerzen treiben manch einen möglicherweise zu unorthodoxen Hilfen: US-Wissenschaftler warnen vor einer Selbsttherapie mit illegalen Medikamenten und Drogen.


Drogen und Schmerzmittel bei Rückenschmerzpatienten

Von chronischen Rückenschmerzen spricht man, wenn Rückenschmerzen mehr als die Hälfte der Tage eines Jahres beziehungsweise über ein halbes Jahr lang bestehen. Chronische Rückenschmerzen sind nicht nur körperlich, sondern auch psychisch sehr belastend und haben oftmals weitreichende Konsequenzen im privaten, aber im beruflichen Bereich. Chronische Rückenschmerzen verursachen die meisten Fehltage im Job und sind bei Frauen wie Männern die zweithäufigste Ursache für eine Frührente.

Marihuana, Kokain, Heroin und Metamphetamine sind Drogen, von denen wahrscheinlich jeder schon etwas gehört hat. Dass chronisch Rückenschmerzgeplagte eher dazu neigen, illegale Substanzen einzunehmen, ergab eine Studie im Fachmagazin "Spine".

Anna Shmagel und Mitarbeiter der University of Minnesota in Minneapolis fragten sich, ob sich der illegale Gebrauch von Drogen bei diesen Schmerzpatienten auf eine mögliche Verschreibung starker Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide auswirkt. Diese Schmerzmedikamente bergen ein Suchtpotential.

Dafür analysierten sie die Antworten von über 5.000 Erwachsenen zwischen 20 und 69 Jahren unter anderem zu ihrem Drogengebrauch, die an der großen "National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES)" teilgenommen hatten. Bei dieser Studie handelt es sich um eine nationale repräsentative Gesundheitsbeobachtung.


Drogengebrauch erhöht Wahrscheinlichkeit von Opioidtherapie

30 Prozent der Befragten erfüllten die im Vorfeld der Studie festgelegten Kriterien des chronischen Rückenschmerzes. Sie litten seit drei Monaten oder länger an den Schmerzen. Die chronischen Rückenschmerzen verleiteten den Ergebnissen zufolge häufiger zum Missbrauch der Substanzen. 49 Prozent der Befragten gaben an, Drogen schon einmal probiert zu haben. Dies war nur bei bei 43 Prozent der Befragten ohne chronische Rückenschmerzen der Fall.

Zusätzlich ergab sich ein Zusammenhang zwischen dem Drogengebrauch und der Verschreibung starker Schmerzmittel, den Opioiden. Menschen, die schon einmal Drogen genommen hatten, hatten wahrscheinlicher auch schon Opiode gegen ihre Schmerzen erhalten. Auch Patienten, die gegenwärtig Drogen einnahmen, wurden wahrscheinlicher mit Opioiden behandelt.

Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen chronischen Rückenschmerzen und Drogenmissbrauch gibt, kann die Untersuchung indes nicht klären. Möglicherweise sind die Zusammenhänge hier auch komplexer.

Drogen können chronische Schmerzen auf Dauer nicht verbessern. Bei chronischen Rückenschmerzen sind verschiedene Behandlungsansätze wirksam, vor allem auch in der Kombination. Eine Drogen- oder Opioidabhängigkeit ist eine zusätzliche Erkrankung, die hinsichtlich chronischer Rückenschmerzen dauerhaft nicht wirksam ist.

Quelle: Dr. Julia Hofmann05.08.16Zum AnfangZurück

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