Diabetes Typ 1: Antibiotika im Verdacht

In den vergangenen Jahren konnte eine Zunahme von Diabetes Typ 1 bei Kindern und Jugendlichen festgestellt werden. Häufige Antibiotikabehandlungen könnten ursächlich beteiligt sein, fanden Wissenschaftler jetzt in Tierversuchen heraus.


Darmbakterien beeinflussen Immunsystem

Typ-1-Diabetes gilt als Autoimmunerkrankung, bei der Zellen der Bauchspeicheldrüse attackiert werden, die Insulin bilden. Das Hormon Insulin sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in Körperzellen aufgenommen und verwertet werden kann. Mit der Abnahme des Insulins steigt der Blutzuckerspiegel an und schädigt Blutgefäße und Nerven.

Die Ursachen der Diabeteserkrankung sind nicht hinreichend geklärt. Vermutet wird, dass Erb- und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Warum Erkrankungszahlen weltweit zunehmen, ist ebenfalls ein Rätsel. Nach Schätzungen lässt sich ein Anstieg der Erkrankungszahlen von drei Prozent verzeichnen.

Nach einer Theorie könnten Wechselwirkungen zwischen Antibiotika und Darmbakterien für die Krankheitsentstehung bedeutsam sein. Zunehmend setzt sich auch hinsichtlich einer Vielzahl anderer Erkrankungen die Erkenntnis durch, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien (Mikrobiom) das Immunsystem maßgeblich beeinflusst. Demnach könnte die Darmflora weit mehr Aufgaben erfüllen als nur die Verdauung und einen großen Einfluss auf die Funktion des Immunsystems haben.


Tiere mit Antibiotikatherapie entwickeln eher Diabetes

Eine im Journal "Nature Biology" veröffentlichte Studie des New York University Langone Medical Center stützt diese Theorie. Versuche an Mäusen, die empfänglich für Diabetes Typ 1 waren, entwickelten zu 53 % häufiger Diabetes, wenn sie Antibiotikatherapie erhielten. Diabetesempfängliche Mäuse ohne Antibiotikabehandlung erkrankten nur zu 26 Prozent an Diabetes.

Untersuchungen der Darmflora ergaben Veränderungen bestimmter Darmbakterien, von denen bekannt ist, dass sie das Immunsystem trainieren. Diese Bakterien waren nach den Antibiotikatherapien fast vollkommen verschwunden. Insgesamt war die Vielfältigkeit der Darmbakterienspecies gegenüber unbehandelten Mäusen reduziert. In einem weiteren Experiment untersuchten die Wissenschaftler, wie die veränderte Darmflora die Gesundheit beeinflusst. Dafür übertrugen sie die Darmflora von Tieren mit Antibiotikabehandlung auf Labortiere, die selbst keimfrei waren und keine eigene Darmflora aufwiesen.

Bei den Tieren ließen sich anschließend ähnliche Veränderungen des Immunsystems nachweisen, wie dies bei den Mäusen mit Antibiotikabehandlung der Fall war. Die Studie zeige, dass Antibiotikabehandlungen die Bakterienflora im Verdauungstrakt verändern und dies langfristige Konsequenzen für das Immunsystem und den Stoffwechsel haben kann, folgern die Forscher.

Quelle: Dr. Julia Hofmann01.09.16Zum AnfangZurück

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