Der Winterdepression den Garaus machen

Werden in die Tage kürzer, schlägt das vielen Menschen auf das Gemüt. Für die Winterdepression stehen verschiedene Behandlungen zu Verfügung. Erfolgversprechend ist ein verhaltenstherapeutischer Ansatz, zeigt eine aktuelle Studie im "American Journal of Psychiatry".

 

 

Lichttherapie ist häufig eingesetzte Behandlung

 

Die Winterdepression, auch saisonal abhängige Depression (SAD) genannt, ist ein häufiges Beschwerdebild in Deutschland. Obwohl das Krankheitsbild schon lange bekannt war, erhielt es erst in der 80er Jahren einen Namen.

 

Ursache der Erkrankung sind wahrscheinlich Störungen der Hormonbalance aufgrund der kürzeren Tage und veränderten Lichtverhältnisse in den Wintermonaten. Diese beeinflussen physiologische tageszeitliche Schwankungen verschiedener Hormone wie die des Schlafhormones Melatonin.

 

Mögliche Symptome der Winterdepression sind Müdigkeit, Veränderungen von Appetit und Gewicht (Heißhungerattacken), Interessensverlust, Konzentrationsprobleme und gedrückte Stimmung. Weitere Beschwerden sind möglich.

 

Die Lichttherapie galt bislang als Goldstandard in der Behandlung der Winterdepression. Doch ist die Behandlung allein mit Licht bei einer Vielzahl der Betroffenen nicht ausreichend, sodass in schwereren Fällen auch Antidepressiva und Psychotherapie zum Einsatz kommen.

 

Unter den psychotherapeutischen Verfahren kommt die sogenannte kognitiv behaviorale Therapie, eine Verhaltenstherapie zum Einsatz. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erlernung von Techniken zur Problembewältigung, die Vermittlung des Aufbaues positiver Erfahrungen und die Vermeidung negativer Denkweisen. Die tägliche Integration von Sport und regelmäßiges Tanken von Frischluft ist ebenfalls empfehlenswert.

 

 

Verhaltenstherapie wirkt vorbeugend

 

Wissenschaftler der Universität von Vermont verglichen nun die Wirksamkeit der Lichttherapie mit der einer Verhaltenstherapie an 177 Patienten in aufeinanderfolgenden Wintern. Ein Teil der Patienten erhielt jeden morgen 30 Minuten lang eine zu Hause durchgeführte Lichttherapie über sechs Wochen lang. Einige Patienten setzten die Behandlung auch länger fort. Eine weitere Gruppe nahm sechs Wochen lang an zweimal wöchentlichen Psychotherapiesitzungen von 50 Minuten Dauer teil.

 

Im Winter nach einer ersten Behandlung wiesen beide Gruppen vergleichbare Verbesserungen ihrer saisonalen Depression auf. Im zweiten Winter hatten annähernd 70 Prozent der Teilnehmer mit Lichttherapie die Behandlung aufgegeben. Unter jenen, die allein die Lichtbehandlung anwendeten, kehrte die Depression zu 46 Prozent zurück. Dies geschah nur bei 27 Prozent der verhaltenstherapierten Studienteilnehmer. Zudem waren die Symptome der Teilnehmer mit Lichttherapie schwerer.

 

Die Wissenschaftler betrachten die Lichttherapie als palliative Behandlung, die für bis zu fünf Monate durchgehalten werden muss. Die Dauer der Behandlung scheint für viele Betroffene aber belastend zu sein. Die Verhaltenstherapie dagegen sei eine vorbeugende Behandlung, denn die erlernten Fähigkeiten lassen eine Kontrolle von Symptomen zu. Langfristig könnte der verhaltenstherapeutische Ansatz demzufolge der Bessere sein.

Quelle: Dr. Julia Hofmann12.11.15Zum AnfangZurück

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