Depression: Eine Frage der Gene?

Depressionen sind häufig und werden als psychische Erkrankung erachtet. Wissenschaftler entdeckten jetzt 16 Genregionen, die mit der Krankheit in Zusammenhang stehen. Damit könnten Depressionen auch eine körperliche Ursache haben.


Suche nach Erbursachen

Depressionen sind eine Volkskrankheit. Schätzungen zufolge leiden fünf Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren an der Krankheit. Nicht berücksichtigt sind dabei jüngere und ältere Patienten. US-Psychiater suchten nun nach Genen, die mit Depressionen in Zusammenhang stehen. Dies würde verdeutlichen, dass es sich um eine Erkrankung des Gehirns handelt und könnte weitreichende Konsequenzen haben. Denn Patienten mit Depressionen werden oftmals stigmatisiert.

Depressionen kommen häufig familiär gehäuft vor. Dies lässt vermuten, dass bei der Entstehung Erbfaktoren zumindest eine Rolle spielen. Bei Depressionen in der Familie ist das eigene Risiko für die Erkrankung zwei- bis dreifach erhöht. Bislang fanden sich in Familienstudien keine eindeutigen Hinweise auf Erbursachen. In einer früheren Studie wären Forscher schon einmal bei chinesischen Frauen auf zwei Genregionen gestoßen, die verändert waren, so die US-Wissenschaftler. Doch ließen sich die Ergebnisse nicht auf andere ethnische Gruppen übertragen.


300.000 Freiwillige unterzogen sich einer Analyse des Erbmaterials

Für ihre Erbanalysen erfassten die Forscher Daten von Kunden des US-Biotechnologieunternehmens "23and me". Privatpersonen können die Firma beauftragen, ihre genetische Information zu untersuchen. 300.000 Kunden nahmen freiwillig an der Studie teil und machten Angaben zu ihrer Person, ihrer medizinischen Geschichte und dem Gesundheitszustand. Über 75.000 Teilnehmer berichteten dabei über bereits diagnostizierte oder behandelte Depressionen.

Zunächst entdeckten die Wissenschaftler zwei Genregionen, die mit dem Risiko für Depressionen assoziiert sind. Die Kombination mit Befunden aus anderen Genom-Studien offenbarte schließlich 15 Genorte, die mit der Diagnose einer Depression zusammenhängen.

Die Forscher hoffen, ihre Ergebnisse könnten zu neuen Behandlungen führen. Bisherige Therapien zielen auf die Beeinflussung der Nervenbotenstoffe im Gehirn ab. 

Quelle: Dr. Julia Hofmann17.08.16Zum AnfangZurück

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