Den Kinderwunsch erfüllen: Tipps und Tricks zum Schwangerwerden

München (dpa/tmn) – Paare, die sich ein Kind wünschen, bekommen oft alle möglichen Tipps zu hören. Nicht alle sind seriös, manche sind reine Legenden. Sich mit dem Thema gesunde Ernährung zu beschäftigen, kann jedenfalls nicht schaden - und Bewegung auch nicht.

«Es gibt keine evidenzbasierten Studien, die beweisen, dass bestimmte Lebensmittel die Fruchtbarkeit von Frauen erhöhen können», versichert Werner Harlfinger vom Berufsverband der Frauenärzte in München. Trotzdem sei es wichtig, dass Frauen mit Kinderwunsch auf ihre Ernährung achten. Vitaminreiche und fettarme Kost mit möglichst wenig Fleisch empfiehlt der Gynäkologe. «Wenig Fleisch deshalb, weil die Tiere oft mit Hormonen behandelt werden.» Das könne den weiblichen Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen und die Chancen auf eine Schwangerschaft verringern.

Allgemein sei es für stark übergewichtige Frauen deutlich schwieriger, schwanger zu werden. Eine Abmagerungskur sollten Frauen mit Kinderwunsch aber keinesfalls machen. Denn während einer Diät fehlen dem Körper häufig Nährstoffe. «Allzu dünn ist auch nicht gut. Der Körper einer Frau mit solcher Statur weiß, dass sie nicht schwanger werden sollte.» Denn Mangelerscheinungen durch Untergewicht können den Stoffwechsel beeinflussen und den Eisprung verhindern.

Schon ab dem Zeitpunkt, an dem die Entscheidung für ein Kind fällt, sei es gut, Folsäure zu sich zu nehmen. Mangelt es dem Körper einer werdenden Mutter daran, kann sich das Nervensystem des Fötus nicht gesund entwickeln. Während der Schwangerschaft steige der Bedarf so stark, dass eine gesunde Ernährung kaum ausreiche. Harlfinger empfiehlt daher, Folsäurepräparate schon vorher einzunehmen. «Die gibt es in jeder Apotheke und sind rezeptfrei erhältlich.» Es sei möglich, dass der Körper sich so eher für die Schwangerschaft bereit fühlt.

Auch für Männer gilt: «Sie sollten in erster Linie auf ausgewogene Ernährung und körperliche Bewegung achten», erklärt Prof. Frank Sommer vom Institut für Männergesundheit der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Als speziellen Ernährungstipp empfiehlt er die Aminosäure Arginin. «Sie ist sehr wichtig für viele Prozesse in Hoden und Penis und kann positiv auf Dynamik und Fitness der Spermien wirken.» Getreideprodukte, Sojabohnen und Nüsse enthalten viel Arginin. Eine positive Wirkung habe außerdem Zink: Das Spurenelement mache Spermien widerstandsfähiger. Es ist in Hülsenfrüchten, aber auch Äpfeln und Bananen reichlich vorhanden.

Sport sei sehr zu empfehlen, wenn er nicht übertrieben werde. «Wer brutal Ausdauersport betreibt, bewirkt das Gegenteil und schadet der Fruchtbarkeit eher.» Denn durch ein sehr hohes Trainingspensum können die Hormone durcheinandergeraten. Besonders Fahrradfahren hat den Ruf, der Zeugungsfähigkeit von Männern zu schaden.

Aber das stimme nur, wenn es allzu intensiv betrieben wird. «Bei sehr langen Radtouren erhöht sich die Temperatur im Hodensack. Das wirkt sich langfristig negativ auf die Spermienqualität aus.» Wer jedoch zur Arbeit radelt und ab und zu eine Tour macht, sollte keine Probleme bekommen. «Dass Rauchen und Alkohol schädlich sind, sollte sowieso klar sein», sagt Sommer.

Allerdings sei zu beachten, dass die Produktion von Spermien drei Monate dauert. Selbst wer alle Tipps beherzigt, sollte nicht sofort mit Ergebnissen rechnen. Bei einem Thema sind sich Harlfinger und Sommer einig: Dass bestimmte Positionen beim Sex die Befruchtung der Eizelle erhöhen könnten, halten sie für Ammenmärchen.

Neben körperlichen Voraussetzungen sei auch eine mentale Bereitschaft von Frau und Mann sehr wichtig. «Ein Paar mit Kinderwunsch muss sich darauf einstellen, dass das Thema eine beherrschende Rolle spielen wird», warnt Tewes Wischmann vom Institut für Medizinische Psychologie der Universitätsklinik Heidelberg. Ganz besonders, wenn der Wunsch nicht sofort erfüllt werde, könne es den Alltag dominieren. Da es sich bei der Familienplanung um keine Lappalie handelt, sei das auch ganz normal. «Dem Kinderwunsch Raum geben, diesen aber begrenzen», lautet Wischmanns Empfehlung.

Eine Beeinträchtigung der Sexualität sei meist eine vorübergehende Erscheinung und die Sache wert. Manche Menschen hätten zwar ein Problem mit dem Beischlaf nach Termin. «Geschlechtsverkehr muss ja nicht immer super-romantisch sein», sagt der Diplompsychologe. Er empfiehlt, klar zu trennen zwischen Sex zur Fortpflanzung und der Lust aufeinander, für die natürlich auch Zeit bleiben müsse. «Um Gottes Willen sollten Paare nicht nur Sex haben, wenn die Frau ihren Eisprung hat. Sich aufsparen, erhöht die Chancen nämlich nicht», ergänzt Harlfinger.

Info-Kasten: Darüber reden hilft

Paaren kann es helfen, über den Kinderwunsch mit einem Arzt zu reden. Prof. Frank Sommer von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf verweist auf eine entsprechende Studie. «Dazu braucht es nicht mal eine Therapie. Allein dass ein Fachmann zuhört und sich der Thematik annimmt, reicht oft schon.» So sollen 20 Prozent der Paare, die

solche Beratungsgespräche wahrgenommen haben, bald darauf ein Kind gezeugt haben. Wer gut informiert ist, hat also bessere Chancen - auch beim Schwangerwerden.

Quelle: Von Christian Vey, dpa19.01.12Zum AnfangZurück

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