Demenz: Mit Bildung länger leben

Demenzen sind verschiedene fortschreitende Erkrankungen des Gehirns, die die geistige Leistungsfähigkeit zunehmend beeinträchtigen. Bei einer Form der Demenz jedoch wirkt Bildung schützend, fanden Forscher heraus. Geistig anspruchsvolle Tätigkeiten halfen demnach, den geistigen Abbau zu verzögern.

 

 

Mehr Bildung, längeres Leben

 

Bei der frontotemporalen Demenz gehen Nervenzellen im Bereich des Stirnhirns und der Schläfenlappen zugrunde. Patienten werden durch Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen sowie Sprachstörungen auffällig. Die Demenzform ist wesentlich seltener als die Alzheimerdemenz und kommt bereits in mittleren Lebensjahren vor. Demzufolge sind viele der etwa 42.000 Betroffenen in Deutschland noch beruflich tätig.

 

US-Forscher untersuchten nun den Verlauf von Demenzen in Abhängigkeit der beruflichen Tätigkeit. Sie fanden heraus, dass Patienten mit frontotemporaler Demenz eine deutlich höhere Lebenserwartung hatten, wenn sie gebildet waren und eine anspruchsvolle Tätigkeit ausübten.

 

Durchschnittlich überlebten die Patienten zirka sieben Jahre nach Auftreten der ersten wahrnehmbaren Symptome. Patienten mit geringer Bildung lebten im Durchschnitt neun Monate kürzer, die am besten gebildeten 35 Monate länger.

 

 

Trainierte Gehirne sind länger leistungsfähig

 

Das verlängerte Leben gebildeter Patienten führen die Forscher auf deren geistige Reserve zurück. Kognitive Reserve bezeichnet die Fähigkeit des Gehirns, den Verlust von Hirnsubstanz auszugleichen und die geistige Leistungsfähigkeit trotz Demenzerkrankung lange Zeit ausgleichen zu können. Gebildete Patienten können dies wahrscheinlich eher als ungebildete, da sie ihr Gehirn fast lebenslang forderten und trainierten. Demnach gilt: Ein gut trainiertes Gehirn funktioniert bei einer Erkrankung länger als ein untrainiertes Gehirn.

 

Möglicherweise spielen aber noch andere Faktoren eine Rolle, so die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Neurology". Gebildete Demenzkranke haben oftmals eine besseren sozioökonomischen Status und damit einige Vorteile. Inwieweit diese für einen längeres Leben verantwortlich sein könnten, ist unklar. Bei Patienten mir Alzheimerdemenz erwies sich Bildung übrigens nicht als Vorteil.

Quelle: Dr. Julia Hofmann03.06.15Zum AnfangZurück

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