Darmspiegelung: Nutzen ab 75 Jahre fraglich

Im Rahmen der Darmkrebsvorsorge wird eine Darmspiegelung empfohlen. Ob über 75-jährige Menschen davon profitieren, stellt eine aktuelle Untersuchung in Frage. Deren Ergebnissen zufolge nimmt der Nutzen ab 75 Jahren ab. Des sollte bei der Entscheidung für oder gegen die Untersuchung berücksichtigt werden, fordern die Studienautoren.


Darmspiegelung lässt Veränderungen früh erkennen

Die Darmkrebsvorsorgeuntersuchung besteht aus einem Test auf verstecktes Blut im Stuhl, einer Tastuntersuchung sowie einer Darmspiegelung. Ab 55 Jahre haben alle Patienten Gesetzlicher Krankenkassen einen Anspruch auf die Darmspiegelung, bei erhöhtem Risiko auch früher. Die Darmspiegelung gilt als zuverlässigste Untersuchung, um Darmkrebs möglichst frühzeitig auf die Spur zu kommen. Werden Veränderungen früh erkannt, besteht eine sehr gute Heilungsrate. Erkennen lassen sich mit der Spiegeluntersuchung auch mögliche Darmkrebsvorstufen, die Darmpolypen. Diese werden noch während der Untersuchung entfernt und anschließend feingeweblich untersucht. 

Studien ergaben, dass die Effektivität der Untersuchung bei älteren Menschen zwischen 70 und 74 Jahren moderat ist. Noch ältere Menschen wurden in Studien bislang vernachlässigt. Aber profitieren auch über 75-Jährige von der Vorsorgeuntersuchung? Der Nutzen ist hinsichtlich möglicher Risiken, aber auch der Kosten bedeutsam.


Forscher: Entscheidung bei alten Menschen gut abwägen

Die Daten von 70- bis 79-jährigen Menschen aus den Jahren 2004 bis 2012 des US-Regierungsprogramms "Medicare" geben Aufschluss über Wirksamkeit und Sicherheit der Vorsorgeuntersuchung an 75-Jährigen und älteren. Mit der Vorsorgeuntersuchung reduzierte sich das Acht-Jahresrisiko für Darmkrebs bei 70- bis 74-Jährigen von 2,6 Prozent auf 2,2 Prozent, bei Älteren von 3,0 auf 2,8 Prozent. Das erhöhte Risiko für schwere Nebenwirkungen war für beiden Gruppen von Senioren klein.

Gerade bei älteren Personen sollten Patienten und Ärzte den geringeren Nutzen bei der Entscheidung für oder gegen die Darmspiegelung berücksichtigen. Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" veröffentlicht.

Quelle: Dr. Julia Hofmann04.10.16Zum AnfangZurück

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