Cannabis macht faul

Der Verdacht besteht schon länger: Cannabis beziehungsweise Marihuana macht faul und träge. Wissenschaftler fanden das an Ratten heraus. Ihre geistigen Fähigkeiten waren zwar an sich nicht beeinträchtigt, die Tiere hatten aber einfach keine Lust mehr, gestellte Aufgaben zu lösen.


THC ist ein Hauptwirkstoff des Marihuana

Der Konsum von Cannabis ist verbreitet. 2012 machten 7,8 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährgen mit der Droge bereits Erfahrung. Nach Schätzungen haben 600.000 Deutsche mit dem Konsum Probleme. Besonders der Drogenkonsum in jungen Jahren könnte mit Veränderungen oder Schäden an Gehirn und Körper verbunden sein.

Wirkungen von Marihuana wie Euphorie, Appetitsteigerung, verstärkte sensorische Wahrnehmung, aber auch Halluzinationen und Trugwahrnehmungen sowie Sorgen und Angst sind den beiden wirksamen Hauptkomponenten der Droge zuzuschreiben. Dies sind die sogenannten Cannbinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabinol (CBD). Neben den beschriebenen Wirkungen lassen Beobachtungen auch vermuten, dass Cannabis die Motivation beeinflusst und träge macht, doch gab es dafür bislang keine ausreichenden Beweise.

Die US-Psychologen Mason Silveira und Mitarbeiter der University of British Columbia in Kanada untersuchten den Zusammenhang. Studien deuteten darauf hin, dass die Droge über eine Aktivierung der Cannabinoidrezeptoren im Gehirn die Entscheidungsfähigkeit in Verbindung mit körperlichen Anstrengungen im Sinne von Faul- und Trägheit beeinflusst.


THC beeinträchtigt geistige Fähigkeiten nicht

Die Wissenschaftler trainierten dafür in einem Verhaltensexperiment männliche Ratten. Das Ausführen einfacher oder schwieriger Augaben war mit einer Belohnung verbunden. Die Tiere nahmen an den Experimenten unter normalen Bedingungen und nach Verabreichung des Cannbinoids THC teil. Vermutet wurde, das Tiere normalerweise die schwierigere Aufgabe erfüllen würden, denn hierfür gab es eine bessere Belohnung. 

Nach der Gabe von THC wählten Ratten aber die einfache Aufgabe und gaben sich mit weniger Belohnung zufrieden. Die Forscher interpretieren dies als geistige Faulheit. Denn die Tiere waren offenbar durchaus in der Lage, auch die schwierigere Aufgabe zu lösen, doch sie wollten das nicht.

Besonders der Langzeitgebrauch der Droge könnte also negative Folgen haben und die Motivation untergraben. Dies könnte zu einem geringeren Erfolg im Leben beitragen. Das müssten weitere Studien klären, so die Forscher im "Journal of Psychiatry and Neuroscience".

Quelle: Dr. Julia Hofmann06.09.16Zum AnfangZurück

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: