Antidepressiva: Erhöhtes Todesrisiko?

Antidepressiva sind sehr häufig verschriebene Arzneimittel. Am häufigsten erhalten Patienten selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Diese könnten das Todesrisiko drastisch erhöhen, ergab jetzt eine Untersuchung kanadischer Forscher.


Forscher prüfen Daten von 375.000 Patienten

Die Verschreibungen von Antidepressiva sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. In den USA nimmt etwa eine von zehn Personen die Medikamente ein, meist um Depressionen zu lindern. Eine von vier US-Frauen zwischen 40 und 50 Jahren nimmt Antidepressiva sein.

SSRI wirken, indem sie die Wiederaufnahme des Nervenbotenstoffes Serotonin blockieren. Serotonin beeinflusst viele körperlichen, aber auch emotionalen Prozesse. Da bei Depressionen ein Serotoninmangel angenommen wird, verspricht man sich mit dem Medikament Hilfe, da es die Serotoninkonzentration im Gehirn erhöht. Die Langzeitwirkungen dieser Medikamentenklasse stehen aber schon länger in der Kritik und werden kontrovers diskutiert.

Wissenschaftler der McMaster University in Ontario untersuchten jetzt den möglichen Zusammenhang der Medikamenteneinnahme und dem Todesrisiko. Sie schreiben, SSRI könnten viele Anpassungsprozesse unterbrechen, die von klassischen Biochemikalien reguliert werden. So eine Biochemikalie ist Serotonin.

Die Wissenschaftler analysierten aus verschiedenen Datenbanken Studien zum Thema. Die der Metaanalyse zugrunde gelegten 16 Studien umfassten 375.000 Patienten.


Mit Antideperssiva 33 Prozent erhöhtes Todesrisiko

Sie untersuchten nicht nur SSRI, sondern auch trizyklische Antidepressiva und fahndeten auch nach Zusammenhängen mit der koronaren Herzkrankheit und dem Herzkreislaufrisiko. Wichtig war den Forschern auch, nur Studien in die Analyse einzubeziehen, die sicherstellten, dass Ergebnisse nicht von der Krankheit selbst oder anderen Erkrankungen beeinflusst werden.

Den Ergebnissen zufolge weisen Menschen der Allgemeinbevölkerung, die SSRI einnehmen, ein um 33 Prozent erhöhtes Risiko für einen vorzeitigen Tod auf. Zudem wiesen Studienteilnehmer mit Medikamenteneinnahme ein um 14 Prozent erhöhtes Herzkreislaufrisiko wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auf.

Zwischen SSRI und triyzyklischen Antidepressiva ließ sich kein signifikanter Unterschied ausmachen. Negative Wirkungen der Medikamente auf bereits herz- oder stoffwechselkranke Menschen ließen sich nicht ausmachen, wohl aber für Gesunde.

Ihre Studie veröffentlichten die Forscher in "Psychotherapy and Psychosomatics".

Quelle: Dr. Julia Hofmann29.09.17Zum AnfangZurück

Quellenangabe für Zitate

Inhalte dieser Webseite dürfen für kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke ohne Rückfragen auszugsweise zitiert werden. Bedingung dafür ist die Einrichtung des folgenden Links als Quelle des Zitates: