Antibiotisches Gel bewahrt vor Borreliose

Wer von einer Zecke gestochen wurde, kann vielleicht bald durch ein Antibiotikum in Gelform vor einer Borreliose geschützt werden. Bislang besteht die Therapie nach einem Stich nur bei Verdacht auf Borreliose aus einer mehrwöchigen Einnahme von Antibiotika. 


Gel auch für Kinder geeignet

Wissenschaftler aus Wien untersuchten in einer großen internationalen Studie die schützende Wirksamkeit des Antibiotikums Azithromycin in Gelform vor einer Borreliose nach einem Zeckenstich. Ergebnisse wurden im Journal "The Lancet Infectious Diseases" vorgestellt.

Im Rahmen der Studie wurden 1.000 Patienten nach einem frischen Zeckenstich innerhalb von 72 Stunden mit dem Hautgel behandelt. Keine der so behandelten Studienteilnehmer entwickelte in der Folge eine Borreliose. Teilnehmer einer Kontrollgruppe hatten eine Scheinbehandlung erhalten. Hier kam es häufiger zu einer Infektion.

Vorteil eines lokal angewendeten Gels mit einem Antibiotikum sind fehlende Nebenwirkungen. Deshalb könne das Gel auch gut bei Kindern eingesetzt werden, so die Forscher. Zudem gestaltet sich die Behandlung sehr einfach: Das Gel muss nur drei Tage lang alle zwölf Stunden angewendet werden.

In Österreich kommt es jährlich zu 24.000 Infektionen, in Europa ist mit 200.000 Fällen zu rechnen. Bleibt die Infektion unbehandelt, kann dies zu Beschwerden an Gelenken, Herz und Nervensystem führen. Schwere Komplikationen sind möglich. Etwa fünf Prozent aller Zeckenbisse führen zur Borreliose, 20 Prozent der Zecken sind mit dem Krankheitserreger infiziert.


Typische Hautrötung bei Borrelieninfektion muss nicht vorkommen

Nach einem Zeckenstich sollte die Zecke möglichst früh fachgerecht entfernt werden. Die Keime (Borrelien) werden nicht sofort durch die Zecke übertragen. Es vergehen mindestens zwei Stunden bis zu einer möglichen Keimübertragung. Die Zecken sollte möglichst unversehrt rasch aus der Haut gezogen werden. Dafür eignen sich auch spezielle Zangen beziehungsweise Pinzetten oder Zeckenkarten aus der Apotheke.

Es wird bislang empfohlen, die Stichstelle anschließend sorgsam zu desinfizieren und die Stelle in der nächsten Zeit gut zu beobachten. Denn im Fall einer Borrellieninfektion zeigt sich in der folgenden Zeit oftmals das als typisch betrachtete Erythema migrans. Dabei handelt es sich um eine sich von der Stichstelle ausbreitende Hautrötung. Allerdings lässt sich diese Hautveränderung nicht in allen Fällen einer Infektion beobachten. Kommt es jedoch dazu, werden Antibiotika zur Einnahme verschrieben.

Ein Gel könnte schon im Vorfeld einer möglichen Veränderung verabreicht werden.

Quelle: Dr. Julia Hofmann06.01.17Zum AnfangZurück

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