Angst sitzt im Darm

Angst kennen viele Menschen in verschiedenen Situationen des Lebens. Forscher finden jetzt heraus, dass Angststörungen ihren Ursprung im Darm haben könnten. Fehlen bestimmte Bakterien, wirkt sich das auch auf das Gehirn aus.


Forscher untersuchten Mäuse mit und ohne Bakterien im Darm

Fehlen bestimmte Bakterien im Darm, können einige Gene wichtige Informationen in Gehirnregionen nicht umsetzen, die für Angst und Depressionen bedeutsam sind. Das entdeckten Wissenschaftler des University College Cork in Irland. Bei diesen Genen handelt es sich um sogenannte Mikro-RNA (miRNA). Sie enthalten Erbinformationen, die dazu dienen, bestimmte Genaktivitäten zu unterdrücken.

Verschiedene Studien ergaben bereits einen Zusammenhang zwischen Darmbakterien und Angst. So zeigte eine Untersuchung, dass Stress in frühen Jahren die Darmbakterien verändert und später für Angst und Depressionen anfälliger macht. Die neue Studie klärt die möglichen Mechanismen des Zusammenhangs zwischen Darm und Angst.

Die Forscher untersuchten dabei Gruppen von Mäusen, die drei verschiedene Arten der bakteriellen Besiedlung des Dams aufwiesen. Ein Gruppe der Tiere war keimfrei aufgewachsen und wies keine Besiedlung des Darms mit Bakterien auf, eine Gruppe hatte zunächst in keimfreier Umgebung gelebt und wurde später mit Darmbakterien kolonisiert, eine weitere Gruppe wies eine ganz normale Darmkeimbesiedlung auf.


Keine Darmkeime – mentale Probleme

In keimfreier Umgebung gezüchtete Mäuse entwickelten wahrscheinlicher Symptome der Depression und Angst, hatten eher Probleme mit sozialen Kontakten und kognitive Funktionsstörungen. Die Forscher untersuchten dann, wie das Fehlen der Darmbakterien die miRNA im Gehirn beeinflusste.

Bei mehr als 103 miRNA zeigten sich Veränderungen im Gehirnbereich der Amygdala, die für emotionale Verarbeitungsprozesse bedeutsam ist. Es zeigten sich zudem Veränderungen von 31 miRNA im Bereich des Vorderhirns, das für Verhalten, Planung, Impulskontrolle und andere Funktionen bedeutsam ist. 

Bei keimfrei aufgezogenen Tieren, deren Darm später mit Bakterien besiedelt wurde, normalisierten sich einige der Veränderungen. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass eine gesunde Darmbesiedlung mit Bakterien nötig ist, um normale miRNA-Funktionen im Gehirn zu haben. Sie untersuchten zudem die Auswirkungen von Antibiotika. Diese können sich offenbar ähnlich negativ auf die Gehirnfunktionen auswirken.

Für viele mentale Erkrankungen könnte demnach der Darm eine entscheidende Rolle spielen. Die Erkenntnis könnte therapeutisch nutzbar sein, indem sogenannte "Psychobiotika" zum Einsatz kommen, die die Keimbesiedlung des Darms positiv beeinflussen.

Quelle: Dr. Julia Hofmann11.09.17Zum AnfangZurück

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